Der Reisebericht wird aktuell überarbeitet!

Eckdaten
  • Roman – MZ ES 250/1 Baujahr 1964
  • Hartmut – EMW R35/3 Baujahr 1952
  • Steffen – MZ ES 250/2 Baujahr 1971
  • Etappe – ca 1600 km
  • Reisezeitraum 24.06.2011 – 01.07.2011
So hat alles begonnen:

Am 8. Februar 2009 stellte in unserem geliebten MZ-Forum ein User namens „mz-schrauber“ einen Fred mit dem Bild der Wolfsschanze mit folgenden Worten „…wäre vielleicht auch mal ne Tour wert…“ ein. Der Gedanke war geboren und reifte in unseren Köpfen. Da mein Freund „eSZett“ seine Dicke noch nicht mal hatte, hieß es also warten und über das Abenteuer träumen und philosophieren.

Am 23. August 2010 rief „Lorchen“ mit seinem Beitrag unter Lost Places wieder alles ins Gedächtnis. Es wurde ernst, die Planung begann.

In der Zwischenzeit hatte sich Steffen, alias eSZett; um einen „fahrbaren“ Untersatz gekümmert. Seine „Fat Lady“ befand sich jedoch im erbärmlichen Kauf zustand. Es gab noch viel zu tun.

Zwei Monate später stand die Tour in groben Zügen fest. Die Fat Lady war in tausend Einzelteile zerlegt. Über Winter musste gewerkelt werden, was das Zeug hält.

Unsere größte Angst war, es unseren Weibchen beizubringen. Dies ging allerdings leichter als gedacht, ihre Antworten waren sinngemäß: `…jaja, ihr wollt nach Polen, von mir aus, macht doch…´. Die herausklingende Ironie war uns sehr wohl bewusst, aber wir hatten sie in der Hand. Sie hatten ´ja´ gesagt, obwohl sie nie wirklich ernsthaft damit gerechnet hätten.

Über das Für und Wider, die mitzunehmenden Utensilien et cetera haben wir uns ja bereits ausgelassen. Zu Beginn der Planung waren es ursprünglich mehr als 10 Interessenten. Übrig geblieben sind nur drei. Noch heute fragen wir uns, wie wir zu unserem dritten Mitstreiter Hartmut mit seiner „Emi“ gekommen sind. Wahrscheinlich auf dem Oldtimerpfingsttreffen in Burg Stargard…..Letztendlich sind wir zu dritt aufgebrochen.

So, genug der Vorrede, es geht los!

Tag 1 / 24.06.2011 Ziel: Köslin

Heute ist der 24.06.2011 9 Uhr und wir stehen mit gepackten Maschinen vor Steffens Tür. Etappenziel war Köslin (Koszalin)

Ich bin als „Guide“ vorweg gefahren, hinter mir Hartmut und Steffen als Dritter zur Absicherung, da die EMW bekanntlich keinen Blinker hat.

Wir fuhren die alte Strecke nach Friedland , von dort über Anklam nach Usedom, wo wir unseren ersten Zwischenstopp an der Zecheriner Brücke einlegten.

Das unsere Fahrt sehr lehrreich werden sollte, beweist folgendes Foto,

aus dem wir gelernt haben, warum der Sitz so heißt wie er heißt ;-). Hartmut hatte ein paar Startschwierigkeiten und wechselte noch schnell die Kerze. Wir dachten uns nichts dabei….noch nicht… .

Nach kurzer Stärkung ging es weiter nach Swinemünde. An der Shell-Tanke wurden die Vorräte ergänzt.

Weiter gings in Richtung Fähre, zum Übersetzen nach Misdroy. Doch kurz vor der Fähre stotterte plötzlich mein Motor. Blankes Entsetzten. Liegts am Sprit? Nein, eine durchvibrierte Sicherung war des Übels Grund. Hatte ich noch nie gesehen, mitten im Blättchen ein Riss. Der Schaden war schnell behoben. Das folgende Foto entstand auf der Fähre.

Da uns der Magen knurrte, hielten wir in Neuendorf (Wiselka) an. Wir erprobten erstmals unsere Polnischkenntnisse und ich aß das erste Mal Jurek (saure Mehlsuppe). Ein kleiner Schauer ereilte uns währenddessen. Wir ulkten, da wir bis dato Rückenwind hatten, dass wir den Schauer ein zweites Mal erleben werden, wenn wir schneller weiterfahren als der Wind die Wolken bläst.

Weiter gings, allerdings nur bis Treptow/Rega (Trzebiatów). Eine Riesenbaustelle erwartete uns dort. Bei Hartmut begannen die ersten Aussetzer, die wir auf Überhitzung schoben. (…am Motor der Emi versteht sich…). Natürlich war die EMW nicht zu überhören, und erinnerte bestimmt den Ein oder Anderen an längst vergangene Zeiten. Jedenfalls bekam Hartmut ab hier im Stau seinen Spitznamen „Knatter-Hartmut“. Das Lachen verging uns jedoch bald. Die EMW lief nur noch ohne Licht, mit nur bei schneller Fahrt. Hartmut wechselte hinter Treptow die Kerze erneut, um nach weiteren 500(!)m sie ein drittes Mal zu wechseln. Sie war ständig verrußt. Uns schwante Böses.

Die Weiterfahrt ging nur noch unter Gashalten. Wir kamen, davon abgesehen das bei Hartmut das Licht immer manuell ein- und ausgeschaltet werden musste, gut voran und erreichten nach Durchfahrt von Kolberg endlich Köslin. Die Vorräte mussten ergänzt werden, und eine Shell-Tanke kam uns da gerade recht. Das vereinbarte Etappenziel war erreicht und wir lagen trotz einiger Dämpfer hervorragend in der Zeit. Eigentlich wollten wir ja hier nächtigen…eigentlich. Plötzlich grummelte es hinter uns, ein paar Greifswalder kamen mit Army-Jeeps zum Pitstop. Auf der Hauptstraße fuhren drei Tieflader mit Panzern und anderem Gerät an uns vorbei. Hartmut und ich war wortlos klar, Rügenwalde (Darlowo) ruft, nur Steffen galt es zu überzeugen. Da er gerade genüsslich einen HotDog verspeiste, verstanden wir seine Antwort auf die Frage nach Weiterfahrt gen Darlowo beide eindeutig als ´Ja´. Er musste sich halt fügen. Die 40km waren noch drin, nach einem kleinen Kerzenwechsel bei Knatter-Hartmut.

Bei unserer Ankunft in Darlowo begrüßte uns ein Kampfhubschrauber, welcher in ca. 12m Höhe über unsere Köpfe taumelte. Wie wir später erfuhren, hatte derselbe Pilot am Tag zuvor mit den benachbarten Windrädern „Fang mich“ gespielt (zwischen den Propellern durch). Es war halt ein verrückter Ami. Nach einem geglückten Steigflug vor einem Baum, musste er dann sein Tun für diesen Tag einstellen.

Wir wurden herzlich begrüßt, lernten Markus und George kennen und wussten fortan, was Mizies waren, der Obstler wurde angeritzt…wir sind Panzer gefahren…es gab 500g Schaschlik für 8 Euro, Piwo und ne Zigarre. Wer schon mal in Darlowo war, weiß wie es dort zugeht. Weiter Eindrücke könnt ihr den Bildern entnehmen. Kurzer Kommentar – man muss es erlebt haben.

Irgendwann zu später Stund bezogen wir unser Zeltquartier und schliefen wie die Brüder in dem Film „Almanya“. Das heißt, eins war da noch…unser Zeltlager befand sich vis a vis von den Dixis. Zu später Stund schlichen sich 2 Gestalten an selbige heran, in der einen Hand blitzte ein Feuerzeug auf, dann ging kurz eine Dixitür auf, fiel zu, ein lauter Knall folgte zusammen mit einem blauen aufblinkendem Dixi und viel Gekicher. Jetzt konnten / versuchten wir zu schlafen.

Tag 2 / 25.06.2011 Ziel: Wanderdünen und Danzig

Wir erwachten. Unser erster Blick galt in Richtung „Blaublinkdixi“. Wir konnten beobachten, wie diverse Treffenteilnehmer die Tür öffneten und sich sofort wieder umdrehten. Dem oder der ein oder anderen ist dann noch was durch den Kopf gegangen…(Kopfkino ´AUS´).

Ein superleckeres Frühstück folgte. Markus und George erzählten von einer Motorradtour, auf der einer seinen Ganghebel verloren hatte. Wir lachten herzhaft…

Heute wollten wir bis Danzig fahren mit einem Abstecher nach Leba zu den Wanderdünen. Markus und George schlossen sich uns kurzerhand mit ihrer Pappe (Trabi 601 Limousine) an, den sie hatten zufällig auch die Wolfsschanze als Ziel. Wir wurden verabschiedet. Im Blog fand sich ein Eintrag mit den Worten „…und das ihr nichts verliert, und immer genug Sprit im Tank habt…“.

Kurz hinter Darlowo ereilte es mich. Ich hatte mein Zusatzschloss verloren. Wahrscheinlich hatte ich es nicht richtig eingerastet. Ihr könnt Euch vorstellen, wie die anderen gelacht haben.
In Slawno musste der Trabi getankt und bei Knatter-Hartmut eine Kerze gewechselt werden.

Kurz hinter Stolp (Slupsk), am Ende einer vierspurigen Schnellstraße, verschwand der Trabi aus meinem Rückspiegel. Wir hatten im Vorfeld ausgemacht, in solcher Situation bei nächster Gelegenheit anzuhalten. Ich hielt an, Hartmut auch, Steffen versuchte es…bekam große Augen…würgte seine Maschine ab und sprach nur zwei Worte: „Mein Ganghebel…“. Jetzt ratet mal, wer nun gelacht hat… .Steffen hatte tatsächlich seinen Ganghebel verloren. Nach einer Zigarettenlänge tauchte am Horizont der Trabi auf. Aus dem Beifahrerfenster winkte uns George mit einem Ganghebel entgegen. Wir wissen bis heute nicht wie die beiden in ihrem Zustand das blanke Teil haben weg fliegen sehen. Aber sie haben es. Daraufhin sofort angehalten und auf der Schnellstraße das gute Stück gesucht und gefunden.

Nach kurzer Bandagenpause (Hartmut hatte ein gelockertes Schutzblech, ich einen lockeren Kickstarter) ging es weiter Richtung Leba zu den Wanderdünen. Kurz vor Leba verschwand Hartmut aus meinem Rückspiegel. War es etwa der gefühlte 50. Kerzenwechsel? Nein, seht selbst:

Pubstrocken war´s im Tank. Hartmuts Kommentar: „…dafür habe ich den Kanister ja mitgenommen…“. Nur hatte er, (und jetzt lachten wir), zuerst die Kerze gewechselt, bis Markus auf die Idee kam und den Tankdeckel aufmachte. In Leba wurde bei Orlen getankt und der ordnungsgemäße Füllzustand aller Fahrzeuge wiederhergestellt.

Bei den Wanderdünen angekommen erwartete uns ein Naturschauspiel par excellence.

Wir können jedem nur den Rat geben, nehmt die Elektrobahn vom Parkplatz aus. 5Km sind ein verdammt langer Weg.

Die anschließende Nahrungsaufnahme erfolgte in einem Imbiss in Leba. Während unsere Maschinen von den Touristen bestaunt wurden, warteten wir eine Ewigkeit auf die Bedienung…bis wir bemerkten…hier ist Selbstbedienung.

Die Wege des Trabis und der Motorräder trennten sich nach dem Essen. Es war gegen 16 Uhr und Markus und George wollten schneller fahren. Wir wollten noch bis Danzig und verabschiedeten uns mit den Worten – wir sehen uns bei der Wolfsschanze.

Kurz vor Danzig, an einer Shell-Tanke, hielten wir zum Päuschen machen und trafen….Markus und George.

Allzu schnell konnten sie nicht gewesen sein. Hier entstand auch dieses Foto  (wir liegen kurz vor Danzig).

Bis hierher verlief unsere Fahrt problemlos, ich glaub ein Kerzenwechsel bei Knatter-Hartmut war noch. Ansonsten grüßten uns noch polnische Motorradpolizisten. An das Licht an / Licht aus -Spiel im Rückspiegel hatte ich mich bereits gewöhnt. Wir erreichten Gdynia. Ab hier nahm der Verkehr drastisch zu. Ab Sopot wurde die Straße sechsspurig und an einer Kreuzung ereilte Hartmut mal wieder der Kerzentot. Gott sei Dank hatte er dank George noch weitere Ersatzkerzen (10?) zur Verfügung. Ich dachte mir meinen Teil. Da es mittlerweile fast dunkel war, steuerte ich die City an.Das erstbeste Hotel wurde kurzerhand gebucht 😉

Hier wurden wir von einer Gruppe polnischer MZ-Fahrer aufgebracht. Diese hatten uns fahren sehen, sich irgendwie verständigt und uns in der Stadt gesucht. Ein nettes Benzingespräch folgte. Sie wollen uns in ein anderes Hotel eskortieren, aber es war leider schon zu spät, ich hatte schon eingecheckt.

Beim Einrücken in die Tiefgarage kam es zum Eklat: Das Tor öffnete sich und dahinter ging es steil bergab. 16% Gefälle, ca. 20m lang, 90 Grad-Kurve im Gefälle und nochmal 5 Meter Gefälle. Ich sag nur noch EMW, Halbnabe. Die Krone der Schöpfung war allerdings die Ausfahrt, das gleiche Spiel nur genau andersrum bergauf, und als besonderer Leckerbissen befand sich auf der Hälfte der Steigung der Ticketleser. Was sich hier zugetragen hat, gehört in die Kategorie Benzingespräch. Wir sind jedenfalls heil runter und tags darauf wieder heil hoch gekommen.Zu später Stund haben wir es uns bei einem leckeren Dönerladen gemütlich gemacht und waren froh, einige ostpreußische Zeitminuten später endlich im Bett dem Obstler noch einen Schluck abnehmen zu können.

Tag 3 / 26.06.2011 Ziel: Rastenburg

Nach dem Frühstück war eine kleine Stadtbesichtigung in Danzig Pflicht, nur keiner von uns hatte damit gerechnet, dass wir soviel Aufmerksamkeit mit unseren Motorrädern erregten. Ganze Reisegruppen ließen den Reiseführer Reiseführer sein und kamen mit uns ins Gespräch. Wir sind seitdem bestimmt in gefühlten 300 Fotoalben zu finden. Als dann wie aus dem Nichts mitten in der City plötzlich Markus und George auftauchten, mussten wir schallend lachen.

Doch die Zeit drängte, wir wollten noch über Elbing (Elblag) nach Rastenburg fahren. Doch weit kamen wir nicht. Am Ortsausgang von Danzig (dort war eine Baustelle mit Straßensperrung und wir machten einen kurzen Stopp zur Routenbestimmung) quietschten in der Gegenrichtung diverse Motorradreifen. Eine Gruppe von Jugendlichen Bikern drehte um, gesellte sich zu uns und es folgte eine Fotosession. Mittlerweile hatten wir ja genug Möglichkeiten unsere Posen zu verfeinern, so dass sie bestimmt gute Fotos von uns geschossen haben.

Nach der Umleitung hieß es „Feuer Marianne“. Wir hatten gut Zeit verloren, doch weit sind wir wieder nicht gekommen. Während eines Knatter-Hartmutschen Kerzenwechsel entstanden folgende Bilder:

Ich habe die EMW an mich gerissen, weil ich nicht einsehen wollte, dass die Kerzenfresserei normal ist. Das ist dabei rausgekommen.Ein simpler Kurzschluss. Nur kurz: die EMW hat keine Sicherungen. Die Lima ist wie ein großer Fahrraddynamo.

Die Fahrt ging weiter durch Elbing Richtung Paslek. Ein relativ großer Stau auf dem einzigen Stück Autobahn unserer Tour war die einzig nennenswerte Begebenheit. Übrigens fiel uns hier erstmalig ein Temperaturschild auf (Luft 35 Grad Asphalt 45 Grad). Steffen, äh seine „maschinellen Gedanken“ bockten mit dem Verweis auf Überhitzung des Triebwerks. Mit etwas Überredungskunst, bei der uns der gut ausgebaute Standstreifen als überzeugendes Argument diente, konnte die Angelegenheit schnell überwunden werden.

In Paslek angekommen hieß es erstmal Vorräte ergänzen, denn ab hier sind die Tankstellen bis Rastenburg rar gesät. Doch wo verflixt ist eine? Wir kurvten in der Stadt etwas herum und hielten an einem Einkaufsmarkt an um nachzufragen. Ein älterer, versehrter Herr in erbärmlichen Zustand näherte sich uns und bettelte um ein paar Groschen. Wir waren etwas perplex, doch bei genauerem Hinsehen hatte sich auf den letzten 60 km das menschliche Erscheinungsbild vom Großstädter zur armen Landbevölkerung verändert. Wir gaben ihm etwas und er bedankte sich sehr tiefgreifend. Plötzlich hielt neben uns ein Biker in Jeans und Langarmshirt auf seiner japanesischen Maschine. Wir kamen mit Händen und Füßen ins Gespräch. Seine Name war Darek, der uns heute noch in bester Erinnerung ist, denn er bot sich als Begleiter bis Rastenburg an. Es war sein freier Sonntag und er fand Gefallen an der 144 km Tour. Zumal er dann bei seinen Eltern in Sensburg (Mragowo) schlafen könnte und am Montag „nur“ 180km zur Arbeit fahren brauch. Wir konnten ihn nicht davon abbringen und waren fortan zu viert. Es ging los, schnell war die Tankstelle (diesmal Orlen) gefunden, es wurde aufgetankt und ab jetzt begann die landschaftlich eindrucksvollste Fahrt nach Rastenburg. Zwischendurch hielten wir mal hier und mal dort an, um Fotos zu machen.

Irgendwann auf der Landstraße kam plötzlich ein Schild „unbeschrankter Bahnübergang“ (Roman´s Klappmesser ging in der Hose auf :-)). Nun, an sich nichts besonderes, wenn es diesen unbeschrankten Bahnübergang nicht an einer mehrspurigen Schnellstrecke mit entsprechendem Zugverkehr gegeben hätte…bei uns wäre so was unmöglich. In einem kleinen Dörfchen ein paar Kilometer weiter gab es da noch so eine Kurve, es war alsbald die Hartmutsche Kurve. Warum? Nun, 110 Grad Rechtskurve, in der Innenecke ein Haus, geradezu ein Feld. Die EMW hatte einen verdammt großen Kurvenradius abzufahren, die Geschwindigkeit war nicht wirklich angepasst, die Halbnabe rundete das Bremsverhalten enstprechend ab und Knatter-Hartmut hatte so seine Problemchen…(es hat nicht viel gefehlt und es wäre eine Acker-Emi geworden und Hartmut zum „Umpflüger avanciert).

Langsam wurde es merklich kühler, Darek hatte nur sein Shirt, nicht mal ein paar Handschuhe. Das Thermometer sank weiter bis um die 15 Grad. Ein kurzer Zwischenstopp bei „Heilige Linde“ (Swieta Lipka“) musste sein.

Nach weiterem Betteln nahm Darek hier endlich meine angebotene Sweatshirtjacke mit Rollkragen an. Weiter gings bis Rastenburg. Darek führte uns zu seinem Lieblingsimbiss, den wir tags drauf erneut besuchen mussten, weil er einfach nur lecker war.

Jedenfalls sitzen wir gemütlich beim HotDog, als plötzlich das Telefon klingelt….wer war dran….genau, Markus und Schorsch. Keine zwei Minuten später mussten sie und ihr Trabi erstmal standesgemäß vor dem Imbiss begrüßt werden. Langsam wurde es mit den beiden gruselig. Wir aßen alle zusammen weiter. Darek ließ sich nur widerwillig von uns zum Essen einladen. Auch etwas Tankgeld wollte er nicht. Mittlerweile waren die Temperaturen auf 10 Grad gefallen und unser Darek hatte noch 35 km vor sich. Er telefonierte mit seinen Eltern. Nach dem Telefonat waren wir baff, wir sollten unbedingt mit zu seinen Eltern kommen, dort können wir campen, essen und schlafen. Wir lehnten dankend ab, denn das hätte unseren Plan vollkommen durcheinander gebracht. Bei der Verabschiedung konnten wir ihn noch überzeugen, Hartmuts Arbeitshandschuhe anzuziehen. Sorgfältig wurden diese mit Isolierband an seinem Handgelenk verschnürt. Meine Jacke durfte er auch behalten. So hatten wir wenigstens etwas zur Gewissensberuhigung getan.

Als Erinnerungen blieben von diesem Tag außer den erwähnten Begebenheiten noch traumhafte Bilder der Landschaft, der Dörfer, der Menschen. Und, nicht zu vergessen, der Storchennester. Manche Dörfer hatten mehr als 9!!! belegte davon. Es heißt, Störche sind hier ein Zeichen von Reichtum.

Nach der Verabschiedung sind wir mit Marcus+Schorsch ins Hotel Koch, was wir sehr empfehlen können. Unsere Maschinen durften in der Garage parken. Wir habe schnell abgerödelt, denn wir wollten noch zur Tanke um die Vorräte zu ergänzen. Jetzt ein Ratespiel, welche Tanke war´s? Genau, eine Shell-Tanke. Als wir am Hotel wider ankamen, wurden wir von einer Gruppe Kinder bereits erwartet. Sie hatten uns schon vorher gesehen, und kamen jetzt dichter. Aus gebührendem Abstand beäugten sie uns und unsere Motorräder. Der größte von Ihnen wurden von den anderen immer in unsere Richtung gestubst. Nach ein paar unmissverständlichen Armbewegungen von uns kam er langsam näher und näher. Dann endlich war es soweit, er durfte sich auf ein Motorrad setzen, blinken und hupen. Seine großen freudigen Augen und seinen Gesichtsausdruck werde ich meinen Lebtag nicht vergessen. Damit war das Eis gebrochen und nun war auch der Rest der Gruppe dran mit Probesitzen.

Zum Abschluss des Abends sind wir nochmal in Dareks Lieblingsimbiss eingekehrt und das ein oder andere Piwo sokiem ergoss sich durch unsere Kehlen. Im Hotel gab es dann zu später Stund, noch den Obstlerschlummertrunk.

Tag 4 / 27.06.2011 Reiseziel: Wolfsschanze, Mauerwald, Steinort, Masurenkanalschleuse

Es hieß früh aufstehen. Nach der gemeinschaftlichen morgendlichen Lagebesprechung trennten sich unsere Wege von M+S. Sie wollten zuerst zum Mauerwald und anschließend zur Wolfsschanze.um dann weiter gen Heimat zu fahren. Wir genau andersherum, da wir eh noch eine Nacht hierbleiben wollten. Gesagt, getan, die beiden sind los. Unser lieber Steffen hatte sich derweil die Hotelchefin gegriffen. Sie hatte ein Problem mit der Computerei, da bot sich Steffens Können förmlich an und er verschwand hinter dem Tresen mit ihr im Büro. Nach einer Weile, Hartmut hatte noch was zu erledigen… staunten wir nicht schlecht, denn Steffen offenbarte uns, dass sich der Mann der Hotelchefin anbot, uns für 15,-p.P. den ganzen Tag durch die Gegend zu fahren. Anscheinend hatte er seinen Job hervorragend gemacht, die Chefin war fortan nicht mehr zurückhaltend gegenüber uns. Alsbald kam ihr Mann, der auf den Namen Jarek hörte und los ging es. Natürlich entsprechend ausgerüstet mit Stiefeln, Lampe etc. Uns wurde mehrmals versichert, dass es sich um einen sehr gut gewarteten Wagen handelt, und der Fahrer auch wirklich fahren kann und sich auskennt. Nun ja, ich glaub es war ein Fiat, der uns durch die Gegend schaukelte, nur soviel: auf den ersten Metern hörte das Kennerohr bereits die defekten Radlager mit den typischen Jaulgeräuschen. Ab Tempo 50 erwiderten dann auch die Stoßdämpfer durch lautes Anschlagen, dass auch sie bereits am Ende ihrer Lebensdauer waren. Spätestens bei Tempo 100 auf den verdammt engen und gewinkelten Landstraßen, die den Name „Straße“ eigentlich nicht verdient hatten, krallten wir uns an allen möglichen Griffen fest. Zum Glück taten die Bremsen hart und zuverlässig ihren Dienst und bewahrten uns vor so mancher blecherner Überraschung.

Wir kamen nach kurzer, aufregender Fahrt an der Wolfsschanze an. Jeder der schon einmal dort gewesen ist, weiß was uns erwartete. Interessant für mich war der Umstand, dass beim Bau der WS der Bevölkerung gesagt wurde, dass hier ein Chemiewerk gebaut werden soll. Trotz der vielen vergangenen Jahre befindet sich das Bauwerk in einem für die Zeit erstaunlich guten Zustand. Hartmut wunderte nur über den verbauten Stahl, da dieser so gut wie keinen Rostansatz zeigte.

Auf dem Weg zum Ausgang liefen uns mal wieder M+S in die Arme. Sie waren bereits auf dem Rückweg gen Heimat. Wir wünschten uns nochmals alles Gute, sollte es wirklich die letzte Verabschiedung sein?

Von der WS ging es weiter Richtung Steinort, dem ehemaligen Feriendomizil vom deutschen Außenminister von Ribbentropp. Jarek bog jedoch vorher irgendwo in der Pampa rechts ab und brachte uns zu einem versteckten Bunker, der auf keiner Karte eingezeichnet war. Dort entstanden die folgenden Fotos

Nach dem kurzen Zwischenstopp ging es weiter Richtung Steinort. Der letzte Kilometer ist als Eichenallee ausgeführt, beeindruckend. Jarek meinte, im Herbst ist der Anblick der Eichen noch eindrucksvoller.

In Steinort aßen wir gemütlich zu Mittag und beobachteten gigantische Wolkenformationen.

Wir mussten uns beeilen, schließlich stand noch der Mauerwald (OKH) und die Schleuse auf dem Programm. Im Mauerwald sind noch über 30 erhaltene Bunker vorhanden. Es gibt hier einen Aussichtsturm, der einem das ganze Anwesen in seiner Größe ermöglicht.Leider nur im Herbst, da dann das Laub von den Bäumen gefallen ist. Eine kleine Begebenheit hat sich hier noch zugetragen. Hartmut und ich sind in einen der Bunker gegangen. Steffen blieb draußen und passte auf. Wer Bunker vom grundsätzlichen Aufbau kennt weiß, dass es verwinkelte Gänge zum Abschwächen von Druckwellen gibt. Jedenfalls befanden wir uns in einem Raum und untersuchten Reste der alten Elektroinstallation.
Plötzlich hörten wir eine Frauenstimmen und sahen einen wackelnden Lichtkegel. Wir blieben mitten im „Druckwellengang“ stehen, verlöschten unsere Taschenlampen und verhielten uns absolut still und blickten gespannt in die Tiefe des dunklen Ganges. Aus einem Seitengang, ca. 6 m weiter weg näherte sich der Schein einer Taschenlampe. Dann trat die Taschenlampe in den Gang ein, blickte nach oben, nach unten, nach links…verharrte in der Position und leuchtete langsam in unsere Gesichter. Wir machten keinen Mucks. Nach ca. 1 Sekunden kreischte die Taschenlampe hell auf, schrie was das Zeug hielt und rannte nach draußen. Wir fingen an zu lachen. Steffen erzählte uns nachher, dass er noch nie eine so bleichgesichtige, schreiende Frau gesehen hat, die aus einem Bunker gerannt kommt. Ganz interessant an dieser Stelle sei der Hinweis, dass nach Kriegsende hier der Strom abgestellt wurde und uns Einheimische versicherten, dass die Notstromaggregate noch bis 1947 in Betrieb waren (letzter Diesel aufgebraucht.)

Die Zeit verstrich wie im Flug, doch bevor wir zur Schleuse fahren, wollten wir unbedingt noch den alten Tunnel finden, der zwei Bunker unterirdisch verband. Wir fanden ihn. Hier ein paar Fotos vom Einstieg und dem Gang Hartmut und ich mussten durch. Steffen blieb aus Sicherheitsgründen draußen.

Wir mussten weiter, bis zur Schleuse waren es noch ca. 8km. Jarek gab Gas. Bei Buckelpiste und 120km/h fing Jarek an zu telefonieren. Die Domlager ploppten nun auch im Takt der Schlaglöcher. Uns fielen die Worte der Cheffin bezüglich des Wagens wider ein… Da ich vorn saß, habe ich wenigstens versucht Jarek beim Gangschalten zu helfen, er musste ja telefonieren und ihm fehlte die Hand bei dem ein oder anderen brenzligen Bremsmanöver. Er lachte nur und sagte „Automaticy“ was soviel wie „Automatik“ heißt. Gott sei Dank hatten wir uns beim Mittag Piwo gegönnt, sonst wäre die Fahrerei nicht zu ertragen gewesen.

Bei der Schleuse entstanden dann folgende Fotos

Was kaum einer weiß ist, dass der Masurenkanal bereits zu Kaiserzeiten angefangen wurde zu bauen, Hi..er hat ihn nur fortgeführt bis kurz vor Kriegsende. Fertig geworden ist er nicht.

Abends im Hotel wieder angekommen mussten wir uns erst mal stärken. Diesmal ging es in eine Pizzeria. Das Essen war lecker, und der abendliche Schluck aus der Obstlerflasche stand auch noch auf dem Programm. Hartmut hatte dazu unmissverständlich gesagt, dass die Flasche heute geleert wird, sie geht auf keinen Fall wider mit auf die Rückreise. Nun ja, ich sag nur soviel, es existiert ein Video, auf dem einer von uns, der seine Emiüber alles liebt, singend auf dem Bett steht und Luftgitarre zu „AC/DC – Dirty deets“ spielt.

Tag 5 / 28.06.2011 Sensburg/Bruchwalde – Allenstein – Marienburg

Ab jetzt ging es Richtung Heimat, morgens ein kräftiges Frühstück und dann ab nach Sensburg (Mragowo). Wir waren fortan auf der Suche nach den Wurzeln von Steffens Familie. Einzige Besonderheit der Fahrt war die anfänglich flackernde und schlussendlich defekte Ladekontrollleuchte bei Hartmut.

In Sensburg fuhren wir direkt die Touristeninformation an. Steffen hatte nur ein Foto von dem Haus seiner Oma und den Ortsnamen Bruchwalde. Doch den Ort kannte keiner. Er musste aber ganz in der Nähe sein, schließlich hatte Oma immer von dem kleinen Fußmarsch nach Sensburg erzählt. Steffen war ganz verzweifelt. Nach einer gefühlten Ewigkeit, mittlerweile waren drei Mitarbeiter mit der Ortssuche beschäftigt, kam ein junger Mann auf die Idee, dass eventuell Bruchwalde zu Hi..ers Zeiten umbenannt worden ist. Er kramte einen einen riesigen Berg Heimatschriften heraus und meinte, in irgendeiner Zeitung müsse sich eine Ortsauflistung mit alten und neuen Namen befinden. Wir wurden fündig. Gleich in der ersten Heimatschrift die ich griff, war die gesuchte Auflistung. Steffen kamen die Tränen. Stand doch dort der Name und der Beruf seines Großvaters, nebst Adresse. Der Ort wurde tatsächlich in den Jahren 1939-1945 umbenannt in Bruchwalde, da der alte Name für diese Zeit zu slawisch geklungen hat. Tatsächlich lag Bruchwalde direkt an der Straße nach Allenstein. Wir haben sein Elternhaus gefunden. Was wir hier erlebt haben, sind ganz persönliche Erfahrungen die wir gern im persönlichen Gespräch mit Euch teilen.

Der Abschied von Bruchwalde fiel schwer, doch Marienburg ruft und bis dorthin sind noch ein paar Kilometer abzuspulen. Bei der nächsten Gelegenheit wurden die Vorräte mal wieder an einer Shell-Tanke ergänzt. Ein älteres polnisches Bikerpärchen zollte uns aufrichtigen Respekt. Es gab Kawa szarna und Kawa c milekum. Wir näherten uns Allenstein und da es bereits Mittagszeit war, suchten wir die passende Herberge. An einer viel befahrenen Kreuzung sahen wir sie und ich musste lachen bei dem Gedanken an „RTL Samstag Nacht“ – stand doch dort nicht ein „KFC“! Es schmeckte nach großer weiter Welt, obwohl wir dank des Verkehrsaufkommens fast vergast worden sind. Ein paar Dauergäste kamen natürlich auch nicht zu kurz.

Nach kurzer Erholung ging es weiter, hinter Allenstein dürstete es unseren Maschinen nach etwas Flüssigem, eine Shell-Tanke kam da gerade recht. Der Verkehr war sehr dicht. Es ging etliche Kilometer entlang einer alten Eisenbahnstrecke wie man sie aus dem Buche kennt. Telegrafenmaste wechselten sich mit Meilensteinen und Flügelsignalen harmonisch ab. Irgendwann machte sich die Blase bemerkbar und ich steuerte einen kleinen Parkplatz im Wald an. Wir haben noch nicht mal gestanden, als plötzlich halb hinter uns aus dem Wald leicht bekleidete Damen herauskamen und direkt auf uns zu steuerten. Wir haben zugesehen das wir weg kamen, obwohl sie verdammt…. .Ein paar hundert Meter weiter wähnten wir uns in Sicherheit. Doch weit gefehlt. Diesmal kam ein junger Mann in Arbeitskleidung aus einer Schonung von der anderen Straßenseite auf uns zu. Es war ein armer Waldarbeiter, der uns rauchen gesehen hat und nur eine Zigarette schnurren wollte, die Steffen ihm bereitwillig gab.

Die gut ausgebaute Straße endete abrupt und es begann eine abgefräste Asphaltpiste mit Riefen jenseits von gut und böse. Vermutlich habe ich hier fast die Hälfte meiner Gummimischung von den Reifen verloren. Jedenfalls ging das Ganze nicht lange gut. Steffen wurde immer langsamer. Plötzlicher Halt, ich kehrte um und erschrak heftig beim Anblick von Steffen. Er war kreideweiß und flatterte am ganzen Körper, so, als hätte er den Leibhaftigen gesehen. Er stammelte nur etwas vom verfluchten Straßenbelag, Lenkerpendeln und das es ihn fast erwischt hätte. Er hatte Todesangst und wollte keinen Kilometer mehr weit fahren, da er kein Vertrauen mehr in seine Maschine hatte und der Verkehr enorm dicht war (LKW etc.). Ich griff mit die Karte und suchte eine andere Route nach Marienburg. Wir hatten Glück und mussten nur noch ein paar Kilometer über die verfluchte Rinnenpiste, ehe wir in Janowo abgebogen und über Dziorany nach Marienburg gefahren sind. Im Nachhinein waren wir froh, dass wir die Route notgedrungen umplanen mussten. So konnten wir einmalige Fotos der Landschaft schießen.

Einziges Problem war irgendwann zwischendurch ein kleiner Kurzschluss an Steffens Maschine, warum, keine Ahnung, es hatte nur die Sicherung entschärft. Kurz vor Marienburg trauten wir unseren Augen nicht. Direkt neben uns drehte ein Jagdflieger seine Kreise und flog enorme Kunststücke.

Endlich sind wir in Marienburg angekommen,

die erste Tanke (Lotus) war unsere. Die Vorräte wurden ergänzt und das Zimmer im Hotel bezogen. Mein Forumsshirt dunstete etwas stark, sodass es kurzerhand im Waschbecken aufgefrischt wurde. Wir stürzten uns sogleich in das abendliche Leben und hingen nach wenigen Metern in einer Straßenbar fest. Dort lernten wir den Barkeeper Martin kennen. Gegenüber war eine kleine Pizzeria, in der wir die wohl leckerste Pizza unseres bisherigen Lebens gegessen haben. Der Chef war ein Unikum und sprach „international“, d.h. er konnte von jeder Sprache ein paar Brocken und so gewann er eine Gruppe norwegischer Jugendlicher als Gäste. Nach der Stärkung ging es zurück an die Bar zu Martin. Mittlerweile hatten sich noch ein paar andere Jugendliche eingefunden, einer mit Gitarre. Ihr könnt Euch sicherlich denken was kommt…Peter war Straßensänger, sein Spitzname war „Bacon“, seine Co-Sängerin war Agata. Etliche Piwo sokiem später schlichen wir dann ins Hotel. Es war ein traumhafter Tagesabschluss.

Tag 6 / 29.06.2011 Besichtigung Marienburg und Fahrt nach Walz

Es hieß früh aufstehen und ordentlich am Frühstücksbuffet stärken. Anschließend wurden die Pferde gesattelt und ein umfangreicher Pitstop eingelegt. Es galt die Füllstände zu prüfen, Unterbrecher kontrollieren, Kerzenabstand, Schrauben auf Festigkeit etc. Bei der Gelegenheit konnte ich an der EMI die defekte LKL reparieren. Ein klassischer Kabelbruch an der Lima war der Übeltäter.

Zum Schluss noch die Ketten bei den MZ gefettet und los gings zur Besichtigungstour. Wir hatten Glück und konnten unsere Maschinen direkt neben dem Wärterhäuschen auf dem Parkplatz an der Marienburg parken. Gegen eine kleine Aufmerksamkeit durften wir unsere Helme und das Gepäck in die Hände der Parkwächter geben. Auf der Burg wurde erstmal ein Softeis genascht und diverse Ansichtskarten geschrieben.

Eine kleine peinliche Begebenheit ist da noch zu erwähnen, als wir wieder am Parkplatz waren ist etwas Luftdruck abgegangen, der nicht zu überhören war…

Walz ruft, der Tag war noch jung, auf geht’s! Nach ca. 60km drückte mal wieder die Blase, in einem Waldstück das mittlerweile gewohnte Bild der leichten Damen, dann halt noch ein Stück weiter in eine große Parktasche. Ein Mecklenburger Brummifahrer hatte wohl ähnliche Druckbeschwerden, nur er ging direkt zu den Damen um Erleichterung zu erfahren. Wir machten uns von dannen. Nach weiteren 60km musste wieder eine Shell-Tanke herhalten. Ich war wie immer für das Mixen verantwortlich. Ordentlich gegessen haben wir hier und unsere Maschinen aufgetankt.

Nach der Stärkung ging es unvermittelt weiter. Ein paar Orte weiter begrüßte uns wieder ein unbeschrankter Bahnübergang direkt am Ortseingang.
Kurz dahinter standen am rechten Fahrbahnrand zwei alte Russengespanne. Wir hielten an und schossen ein paar Fotos.

Uns waren sie völlig unbekannt. Plötzlich kam aus dem angrenzenden Grundstück ein bewaffneter Sicherheitsmann direkt auf uns zu. Uns wurde ganz schön mulmig. Die Buchstaben „Ochrona“ und die Kurzwaffe im Halfter vor seiner Brust sind mir noch in strammer Erinnerung. Er rief etwas auf polnisch und hinter ihm tauchte ein weißhaariger Mann auf, der uns freundlich mit ein paar Worten auf deutsch begrüßte. Schnell stellte sich heraus, daß wir in einer polnischen Bikerschmiede gelandet waren. Wir wurden hereingebeten und trauten unseren Augen kaum. Mitten in der Werkstatt stand neben einem urigen selbstgebauten Shopperbike ein niegelnagelneues Stoye-boot.

Der ältere Herr telefonierte kurz und sagte, der Chef sei auf dem Weg. Kurze Zeit später stand dieser vor uns, kaum älter als wir. Wir unterhielten uns in allen möglichen Sprachen. Kurz und knapp gesagt, hier werden Shopperbikes gebaut und Stoyeboote nachgebaut. Eine Einladung zum Essen und übernachten mussten wir aus Zeitgründen leider ablehnen. Zum Abschied entstand noch folgendes Foto von einem fertigen Bike mit Opel Omega V6 Motor und Gasanlage. Auf dem Typschild stand tatsächlich als Hersteller der junge Chef der Firma (übrigens, die komplette Abnahme und Zulassung hat irgendwas um 100 Euro gekostet).Wir wollten gerade los, als direkt neben uns ein Opel einbog. Plötzlich knallte es laut und wir standen mit offenen Augen da, die hintere Radaufhängung war abgerissen und samt Rad vom Opel abgefallen. Der Chef lachte nur als er unsere Gesichter sah und sagte: „German Car“. Eine brennende Bremse an einem LKW und die entsprechende blaue Wolke sei hier nur am Rand erwähnt. Es ging endlich weiter. Der Verkher nahm immer mehr zu. Überall das gewohnte Bild der leichten Mädchen am Straßenrand. Hinter uns stauten sich immer mehr Brummifahrer. Die Überholmanöver von ihnen wurden immer rasanter. Ich entschied kurz anzuhalten und die Brummis vorbeizulassen, also bei nächster Gelegenheit auf einen kleinen Rastplatz. Hartmut und ich wollten gleich weiter, Steffen noch eine schmaucheln. Ausnahmsweise gaben wir nach, sonst hatte es immer Mehrheitsentscheidungen gegeben. Das uns das bald zugute kam, merkten wir ein viertel Stunde später. Wir holten uns einen Kaffee, der hier nach alter Manier noch türkisch aufgebrüht wurde und dementsprechend länger abkühlen musste. Wir saßen bei lauem Lüftchen im Biergarten und äugten umher. Unter Steffens Maschine bildete sich ein Fleck der minimal größer zu werden schien. Ich unkte, daß er den Benzinhahn vergessen hatte. Doch Steffen beteuerte seine Unschuld. Also gingen wir nachschauen und erschraken: es war Getriebeöl. Die ganze Karre triefte linksseitig davon. Uns schwante böses.

Der Fehler war schnell gefunden, die Ölkontrollschraube hatte sich verabschiedet und durch den Seitenständer lief das Öl nur so vor sich hin.

Der Schaden war mit einer kleinen Schraube und etwas Dichtmasse schnell behoben, das verlorene Öl ruckzuck aufgefüllt. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn wir nicht angehalten hätten.

Mittlerweile war es mächtig dunkel geworden. Bis Walz war es Gott sei Dank nicht mehr so weit. Für heute reichte es an Erlebnissen. In Walz machten wir an der erstbesten Adresse „Bialo Domek- Weißes Haus“ halt. Ein Dreierzimmer war noch frei.

Aus dem Biergarten drangen lautes Gelächter und Trinksprüche. Schnell die Maschinen geparkt und dem Parkwächter noch etwas zugesteckt. Er winkte nur ab und zeigte auf ein gutes Dutzend BMW-Bikes.

Nun war uns klar, wer im Biergarten feierte. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war es eine Kohorte älter Biker aus der Dresdner Ecke, die einen Betriebsausflug zu einem polnischen Werk unternommen hatten. Ein kurzes Benzingespräch folgte und wir wurden anfangs wegen unsrer alten Bikes etwas belächelt. Nachdem wir in groben Zügen von der bisherigen Tour erzählt hatten, stand plötzlich der wohl Stammesälteste auf, zollte uns seinen Respekt und forderte die Mitglieder der „Tafelrunde“ auf, auf unser Wohl anzustoßen. Wir waren waren somit vom Regen in die Traufe gekommen. Unser Magen knurrte und wir stärkten uns. Am Nachbartisch ist ein älteres Ehepaar auf uns aufmerksam geworden und wir kamen ins Gespräch. Er war kein geringerer als ein Cousin der Gesundheitsministerin aus Mecklenburg/Vorpommern (Frau Schwesig), welcher in Bütow auf der Jagd einen 22-Ender geschossen hatte. Seine Frau stammte aus der Walzer Ecke und erzählte viel über die vergangene Zeit. Es war ein sehr interessantes Gespräch und wir haben viel erfahren… .

Irgendwann zu später Stunde fielen wir todmüde ins Bett.

Tag 7 / Fahrt nach Stettin über Stargard

Morgens hieß es mal ausnahmsweise nicht ganz so früh aufstehen. Nach der belebenden Dusche ging es zum Frühstück. Dort trafen wir das ältere Ehepaar vom Vorabend wieder. Wir bekamen noch ein Kompliment für unser Geschichtsinteresse. Ein kleines Gespräch folgte. Ich habe lange überlegt, ob ich davon im Reisebericht was schreibe, aber es gehört nun mal dazu, auch wenn es etwas bedrückend ist.

Seine Frau erzählte uns aus ihrer Kindheit und den Ereignissen, als die russische Armee nach Walz kam. Ihre Freundin hatte den Auftrag, aus Angst vor den Russen, ihre Schwester, sie
und sich selbst umzubringen. Sie hat es nicht getan. Aber sie haben die Kinder der Nachbarn im Garten begraben. Auch von einem deutschen Soldaten war die Rede, der gequält wurde, fast verhungert war und vor ihren Augen von russischen Soldaten erschossen wurde.

Beim Bepacken der Maschinen vor der Abreise trafen wir noch auf die BMW-Bande. Wir verabschiedeten uns zünftig und fuhren von dannen.

Am Ortsausgang lud eine Orlen-Tankstelle zum Ergänzen der Vorräte ein.
Landschaftlich fühlten wir uns auf dem weiteren Weg nach Stargard fast wie in den Masuren. Ein kleiner Waldsee zur Linken lud uns irgendwo auf halber Strecke zum Verweilen und drin baden ein. Die halbe Stunde musste sein.

In Stargard haben wir kurz was gegessen. Zum Übernachten, was wir kurzfristig in Erwägung gezogen hatten, fehlte es an einem Hotel mit Tiefgarage.

Also ging es weiter nach Stettin. Die Fahrt wurde etwas eintönig, kurz vor Stettin haben wir nochmal bei Shell vollgetankt. In Stettin war die Hölle los. Straßensperrungen wegen des Oderfestes und keinerlei Hotel hatte ein Zimmer mehr frei, nicht mal das Radisson.

Irgendeiner gab uns den Tipp mit dem Etaphotel. Also nichts wie hin.
Zimmer ja, drei Mann auf einer Butze, egal. Bettwäsche-Fehlanzeige, auch egal. Wir wollten
nur was zum Schlafen und nichts wie ab ins Getümmel.

Dank Zywiec war es jedoch erträglich! 🙂
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Wir bestellten uns ein Taxi und während wir darauf warteten kam ein Gruppe Harleyfahrer im Hotel an. Es kam was kommen musste – ein Benzingespräch. Sie kamen gerade aus Oldenburg, und machten einen Kurztrip! Als sie hörten, was wir bereits abgespult hatten, bekamen wir wieder einmal ordentlichen Respekt. Die Maschinen wurden ordentlich verpackt und der Pförtner bekam eine kleine Aufmerksamkeit.

Unser Taxi kam und wir machten uns gen Partymeile auf die Socken. In der City haben wir im Kolumbus gespeist und uns anschließend ins Getümmel gestürzt. Zu vorgerückter Stunde sind
wir leicht angeheitert ins Bett gefallen.

Tag 8 / Richtung Neubrandenburg

Ausschlafen war angesagt! Frühstück gab es in Mensamanier. Dann auf die Piste. Ein Foto
zum Abschied mit den Harleybikern durfte natürlich nicht fehlen.

An der Grenze haben wir nochmals die Vorräte ergänzt. Unser Weg führte uns auf vertrauten Straßen über Löcknitz, Pasewalk bis Straßburg. Hier knurrte uns der Magen und wir steuerten den Imbiss auf dem Markt an. Ich glaub wir aßen Dönerteller. Viel Zeit haben wir hier nicht verloren, die Heimat rief.
Also rauf auf die Böcke und ab nach Neubrandenburg. Hier entstanden die letzten Fotos bei
Steffen auf dem Hof.

Zum Thema Reifen: Alle waren zu Fahrtbeginn fast neu, meiner ist ein Fortune…

Und so endete unsere Reise an dem Ort, wo sie einst begann.