Der Reisebericht wird aktuell überarbeitet!

Auch in diesem Jahr soll es wieder einen Reisebericht geben. Doch aller Anfang ist schwer.

Wir haben nun mittlerweile das dritte Mal unser Nachbarland Polen bereist. Nach der Masurentour 2011 waren wir uns einig, dass es nie wieder eine solch schöne Tour geben wird. Letztes Jahr bekamen wir erste Zweifel. Auch die Sudetentour 2012 war sehr schön, aber auf eine andere Art und Weise.

Dieses Jahr wissen wir, jede Tour ist schön, auf ihre ganz besondere Art. Man kann und wird keine Touren miteinander vergleichen können.

Aufgrund der vielen Ereignisse bei der diesjährigen Schlesientour,kann ich zusammenfassend sagen, dass es 2013 die emotionalste aller bisherigen Touren gewesen ist. Wir haben alle erdenklichen Höhen und Tiefen durchgemacht. Sei es gefühlsmäßig, wettertechnisch oder motorradtechnisch. Doch zurück zum Anfang, wie alles begann….

Bereits im letzten Jahr war das Motto „Nach der Tour ist vor der Tour“. Beim Kreisen über die Landkarte war es in der schlesischen Region noch relativ weiß, d.h. keine Route von uns war je dort. Der Entschluß war schnell gefasst, doch es hieß noch ein Jahr warten. Durch Erzählungen und unsere Website gesellte sich in der Zwischenzeit der ein oder andere in die Gruppe der Mitinteressenten ein. Leider blieb es nur Jürgen und Christian vergönnt, als Neulinge daran teilzunehmen. Christian ist ein erfahrener Tourer, der schon viele Kilometer jenseits der deutschen Grenze absolviert hat. Für Jürgen sollte es die erste große Fahrt werden, und das gleich mit dem Gespann. Nungut, jeder ist alt genug und sollte wissen was er kann.

Die Vorbereitungen liefen wie ein Uhrwerk. Wir haben desöfteren zusammengesessen, Steak gegessen und geklönt. Jeder brachte sich mit seinen Wünschen ein. Die Route wurde diesmal von mir nur grob geplant. Wir wollten mehr Zeit für kurzfristige Entscheidungen oder Abstecher haben. Als erstes festes Etappenziel war Posen (Poznan) gesetzt. Hotel hatte ich vorgebucht. Ich kann jedem an dieser Stelle die Seite booking.com empfehlen. Selbst per Handy von unterwegs übersichtlich und schnell. Ich bin sehr zufrieden.

Steffen hatte sich im Vorfeld um unsere Tourshirts gekümmert. Er hat sie selbst entworfen und in Auftrag gegeben. Wir staunten nicht schlecht, als wir am Freitag morgen uns zum letzten Kaffee auf deutschem Boden trafen, und Steffen zusätzlich zu den Shirts noch Tourtassen hervorzauberte. Sie sind ein Geschenk der Firma „Pretty Group“, die sich nicht nur mit Shirtdrucken, sondern auch Tassendruck, Transparentedruck, Werbung etc. beschäftigt. Vielen Dank an dieser Stelle!!!
Streckenführung

Streckenführung Schlesien Tour 2013

Google Maps Screenshot

Tag 1 nach Posen

Punkt 8 Uhr wurden die Maschinen gestartet und es ging los, begleitet von dem Lied „Junge, komm bald wieder…“, welches die Damen von Roman intonierten. Wir kamen zügig voran. Kurz vor Prenzlau leuchtete plötzlich die Ladekontrolleuchte von Romans MZ. Im nächsten Dorf rechts ran, Diagnose: Regler defekt.

2013-06-07_09-16-10

2013-06-07_09-16-40

2013-06-07_09-17-01

2013-06-07_09-17-19

Ein Kabel war durchgescheuert und hatte dem elektronischen Bauteil den Rest gegeben. Ein altes Sprichwort sagt: Der Gleichrichter – gleich riecht er. Schnell gewechselt und weiter gings. Eine Pause brauchten wir nicht mehr, und so sind wir schnurstracks über Schwedt bis Chojna gefahren. Eigentlich wollten wir hier tanken und Geld tauschen, doch die entsprechende Örtlichkeit war nicht vorhanden. Ein paar Dörfer weiter hatten wir dann mehr Glück. Ein kleiner Kantor war unser erster Anlaufpunkt. Getankt haben wir dann in Gorzow Wielkopolski.

Nebenbei angemerkt, in den letzten Jahren hatte es mich und uns immer zu den Shell-Tankstellen gezogen. Ich habe mein Fett diesbezüglich schon wegbekommen. Dieses Jahr haben wir fast ausnahmslos immer bei Orlen getankt. Irgendwie habe ich mich in die Tankstelle mit dem roten Adler verliebt. Der Sprit ist nicht nur gut sondern riecht auch in Verbindung mit dem Zweitaktöl richtig lecker. Als positiver Nebeneffekt ist auch immer eine kleine Fahne aus dem Pöff zu sehen.

Bis Posen war es nicht mehr weit. Ein kleines Hungergefühl machte sich breit. Auch unser Sitzfleisch hat sich eine längere Pause verdient. Hinter Gorzow Wielkopolski haben wir an einem Imbiß gehalten. Leider gab es nicht mehr wirklich was für unsere knurrenden Mägen. Am Horizont taten sich zudem große dunkle Wolken auf, so dass wir beschlossen weiterzufahren. Weit sind wir nicht gekommen. Die Wolken waren schneller. Wir wurden das erste Mal naß und mussten unsere Regenkombis anziehen. Erstaunlicherweise ging das ganz gut und nicht nur ich bin mit der Dichtigkeit und dem Tragekomfort sehr zufrieden gewesen. Aber uns knurrte immer noch der Magen. Das sollte sich bald ändern. An einem Rasthof entstand dann das folgende Bild, in Anlehnung an die Masurentour 2011.

2013-06-07 16-46-53

Frisch gestärkt ging es auf die letzte Etappe des Tages.

In Posen erwartete uns der Berufsverkehr par excellance. Christian hatte dank seines elektronischen Helferleins (Navi) eine alternative Route zum Hotel gefunden. Es hätte auch gut geklappt, wäre uns nicht ein geschlossener Bahnübergang nebst anschließendem Stau zum Verhängnis geworden. Unsere Maschinen überhitzen sich und wir mussten eine Zwangspause einlegen. 4 km vor dem Hotel.

2013-06-07 18-00-30

Die 15 Minuten hatten wir noch übrig, das Hotel war Nahe, und als die Zimmer bezogen waren, wurde erstmals der leckere Obstbrand von Hardi mit seiner sommerlichen Trinktemperatur von 25 Grad angerissen. Unsere Gesichter glühten binnen Sekunden.

Zum Abend ging es mit dem Taxi in die Altstadt. Hier fanden wir auch ein Lokal ganz nach unserem Geschmack. Die folgenden Eindrücke haben wir dabei festgehalten.
2013-06-07_20-32-38

2013-06-07_20-49-37

2013-06-07_20-50-45

2013-06-07_20-51-46
2013-06-07_21-04-08

2013-06-07_21-25-48

2013-06-07_22-02-20

2013-06-07_22-38-10

Irgendwann nach 1 Uhr lagen wir in unseren Betten. Die Nacht ist kurz. Morgen geht es weiter nach Lodz.

(Wir waren im Novotel Poznan Malta; ruhig in einem Park gelegen; mit Außenpool; mit bewachtem Parkplatz.)

Tag 2 nach Lodz

Wir sind früh aufgestanden. Das Frühstücksbuffet war traumhaft. So muß ein Urlaubstag beginnen. Gestartet sind wir dann doch mit etwas Verspätung. Kurzer Pitstop an der Orlen und rauf auf die Piste!

Heute wollen wir nach Lodz, doch es steht noch ein kleiner Abstecher in dem Heimatort von Hartmuts Vater an. Alle wussten davon, nur Hardi nicht. Folgender Hintergrund dazu:

Am Donnerstag Abend, quasi 1 Tag vor Abreise, besuchte mich Jaqui (Ehefrau von Hartmut). Sie hatte in Erfahrung gebracht, daß sich das Elternhaus seines Vaters in der Nähe von Posen befand. Hardi selbst hatte sich nicht getraut uns zu fragen, ob wir einen Abstecher dorthin unternehmen können. Ich hab mir den Ort auf der Karte angesehen, kurz mit den Anderen Rücksprache gehalten, die Antwort war ein einstimmiges ´JA´. Also flugs die Tour umgeplant, und Hardi als „Strafe“ nicht informiert. Mein Plan ging auf. Als er das Ortschild von Sedziwojewo (Sendschau) sah, hat er sich richtig gefreut.

2013-06-08 12-16-06
2013-06-08_12-17-56

2013-06-08_12-23-52

2013-06-08_12-24-41

2013-06-08_12-38-28

Die Pause war kurz, bis Lodz war es noch ein ganzes Ende. Die Fahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Ich glaube, irgendwo unterwegs musste ich meinen Kerzenstecker entsorgen (durchgeschlagen) und meine Zündkerze wechseln.

Hinter Konin haben wir an einer idyllischen, typisch polnischen Grillbar mitten im Wald angehalten. Jürgen bestellte sich freiwillig Jurek. Es sollte nicht seine letzte saure Mehlsuppe sein. Wir haben ordentlich reingehauen. Auch ein kleines Mittagsschläfchen durfte nicht fehlen (FOTO, Hardi schläft). Das Wetter meinte es sehr gut mit uns. Wir sind nach einer Weile bei strahlendem Sonnenschein weitergefahren. Die Landschaft wandelte sich langsam aber zusehends in die typisch ländliche Idylle, wie wir sie schon aus den vergangenen Touren kannten. Auch der Verkehr nahm merklich ab, so dass wir richtig genießen konnten.

2013-06-08 13-11-32

Kurz vor Lodz steuerte ich nochmals einen kleinen Waldparkplatz mit Grillbar an. Es war schließlich Kaffeezeit. Und es gab auch Kaffee, richtigen Kaffee, türkisch gebrüht, ganz nach unserem Geschmack. Leider war ab Konin der Internetempfang immer dürftiger geworden. Ihr habt bestimmt gemerkt, dass es immer weniger Bilder gab. Aber bei EDGE dauert es verdammt lange, ehe ein paar KB hochgeladen sind. Sehr zum Leidwesen von unserem IT-Spezi Steffen, der sich immer rührend um den Blog kümmerte. Uns andere freute dies, denn wir konnten ein bissel entspannen und Hardi sich wieder einmal etwas hinlegen.
2013-06-08_14-30-30

2013-06-08_14-44-28

2013-06-08_14-44-42

2013-06-08_15-14-29

Doch lange währte die Ruhe nicht. Ein altes Mercedes-Wohnmobil steuerte den Waldparkplatz zielgerichtet an. Es kam was kommen musste, Oldtimerfreunde unter sich beim Benzingespräch. Wir wurden nach Spala eingeladen. Dort sollte morgen ein Oldtimertreffen stattfinden. Weiterhin stellte sich im Gespräch heraus, daß Margrit (Ehefrau des WoMo-Fahrers) Verwandte bei Neubrandenburg hat. Ehe wir uns versahen, zückte sie das Telefon und rief dort an. Dann hatte ich es in der Hand. Am anderen Ende der Leitung begrüßte mich Arno, der uns auch prompt einlud, bei der Rückfahrt bei ihm einen kleinen Kaffeestop einzulegen. Wir konstatierten: Wie klein ist doch die Welt! Christian zwinkerte mir zu, ich verstand sofort: Alles klar, heute Abend wird die Tour nach Krakau umgeplant. Wir verabschiedeten uns mit den Worten, dass wir vielleicht morgen nach Spala kommen werden.

2013-06-08 16-42-54

Bis Lodz waren es noch um die 50 km. Die Landstraße erforderte den Schwingenfahrwerken von Steffen, Christian und Roman schon so einiges ab. Hardi schwingte auf der EMI im Takt der Bodenwellen mit. Jürgen als „Safetyboy“ oder „Last Action Hero“ mit seinem Gespann hatte alle Hände voll zu tun. Doch die 80 km/h wurden gehalten.

Ich bin mir an dieser Stelle nicht mehr ganz sicher, ob Jürgen bei der vorhergehenden Rast oder erst in Lodz fragte, ob das die typischen polnischen Landstraßen sind. Wir verneinten mit dem Hinweis, daß es gute polnischen Landstraßen sind, auf denen wir derzeit unterwegs waren. Ein erstauntes „Achso, hmhm.“ War seine Antwort. Wie er das wohl meinte,….wir fragten nicht weiter nach.

Vor Lodz wurde der Verkehr dichter. Dann waren wir endlich da, in der Stadt, die Theo unbedingt in dem gleichnamigen Lied fahrender Weise besuchen sollte. An der ersten Tanke (Orlen) wurden die Vorräte ergänzt. Christian und ich hatten tags zuvor nur grob nach einem Hotel in der City Ausschau gehalten. Ein IBIS-Hotel kam dabei in unser Augenmerk. Der Straßenverlauf befand sich in meinem Kopf. Einmal links, dann gleich rechts, auf der dreispurigen erst links, dann mittig, dann rechts halten, dann müsste ein Neste kommen, dann ein Bahnhof und eine große Kreuzung, wo wir links mussten, dann immer geradeaus. Und Obacht auf die Straßenbahn geben. Ein paar Minuten später befand sich unser Tross in der City. Das Ibis-Hotel war schnell ausgemacht. Ich entschied, noch eine kleine „Showrunde“ durch die Innenstadt zu drehen. Leider. Leider? Ja, leider, denn ich kannte zwar polnische Einbahnstraßen, aber sowas wie in Lodz hatte ich noch nicht erlebt. Ein Irrgarten im Maisfeld ist dagegen ein Kinderspielplatz für Krippenkinder. Aber egal, ich war einmal abgebogen und jetzt mussten alle da durch.

An einer alten Kirche entstanden folgende Aufnahmen. Hier war gerade eine Hochzeit in vollem Gange. Sogar ein Auto mit Demminer Kennzeichen befand sich unter den Gästen. Ein erstes Fazit von Lodz: Hier wurde sehr viel im Stil der 70er neu gebaut. Eine richtige Altstadt gibt es nicht mehr. So, jetzt schnell zum Hotel, hoffentlich gibt es noch Zimmer. Also ab durch die Einbahnstraßenwüste, schnell über die sechsspurige Hauptstraße unerlaubter Weise links abgebogen und prompt standen wir vor dem Hotel. Ich fix rein, Zimmer ja, Tiefgarage ja – besser gehts nicht. Schwuppdiwupp waren die Maschinen sicher in der Garage geparkt und wir hatten unsere Zimmer bezogen. Wir duschten ausgiebig und standen kurz darauf vollzählig vor dem Eingang. Unser nächstes Ziel: Futter fassen.
2013-06-08_19-17-15

2013-06-08_19-18-28

2013-06-08_21-13-52

Weit mussten wir nicht laufen, ein WOK-Restaurant lud mit herrlichem Ambiente und leckeren Gerüchen zum Abendessen. Nach dem Essen stürzten wir uns in das Nachtleben von Lodz. Auf einem alten Hinterhof war ein Fotofestival, was uns neugierig machte. Es hatten sich mehrere freie Fotografen getroffen, die in diesem Ambiente ihre Aufnahmen aus dem Leben per Videoleinwand präsentierten. Ich kam mit einem deutschen Fotografen aus Berlin ins Gespräch. Wie sich herausstellte, lebte er 3 Jahre zusammen mit Aktivisten auf einer besetzten Werft in Rotterdam. Seine Bilder aus dieser Zeit waren beeindruckend, und ich musste ihm eins seiner Werke abluchsen. Was mich an ihm besonders faszinierte war die Tatsache, daß er nur von seiner Kunst lebte und durch die Welt reiste.

Doch die Citymeile war noch lang, und wir wollten sie wenigstens einmal hoch und runter laufen. Weit sind wir nicht gekommen. Ein Straßencafe´ lud zum Verweilen und Piwo sokiem trinken ein. Nebenan gleich ein kleiner Hinterhof mit dem Zugang zu einer Diskothek. Hier fielen uns auch erstmals Damen auf, welche mit einem Regenschirm in der Hand immer auf und ab gingen. Ihnen gab ich etwas später die Abkürzung „RSS“, welche wir den interessierten Lesern dieses Reiseberichtes in einem persönlichen Gespäch näher erläutern können.

Nun gut, nach dem Auffüllen der Flüssigkeitsstände begaben wir uns weiter die Citymeile entlang. Leider war Steffen sehr müde, so dass er entschied, ins Hotel zu gehen. Es dauerte nicht lange, und wir wurden von einer „RSS“ angesprochen. Und nein, wir wollten in keine GoGo-Bar, und nein, wir wollten auch nichts anderes… . Wir wollten nur die Stadt erkunden.

Aus einem Obergeschoß drang laute Rockmusik, daß mussten wir uns ansehen. Wir landeten in einer Rockkneipe mit einer holländischen Liveband. Die Stimmung war der Hammer, man konnte nicht anders und musste mitsingen und mittanzen. Irgendwann im Verlauf des Abends entstanden dann noch Fotos mit der Promoterin, welche sich über den Zuspruch ihrer Band sichtlich freute.

2013-06-09 00-54-53
2013-06-08_22-45-05

2013-06-08_22-59-02

2013-06-09_00-54-48

2013-06-09_00-57-09

Irgendwann ist jeder Abend mal zu Ende, wir mussten den Heimweg antreten, auch wenn wir noch gern geblieben wären. Doch das Programm sah für morgen nicht nur die Tour nach Krakau, sondern auch den Abstecher nach Spala vor. Christian und ich hatten die Route im Hotel schon ausgetüftelt. Auf dem Rückweg zum Hotel entschied ich, die Straßenseite zu wechseln, um nicht wieder diesen „RSS“ in die Arme zu laufen. Doch eine erwartete uns bereits. Auf der anderen (jetzt unseren) Straßenseite. Wir befanden uns ungefähr vis´a´vis des Straßencafe mit der Hinterhofdiskothek, als plötzlich eine laute Explosion auf dem Hinterhof war. Eine große Rauchwolke schoß aus der Einfahrt, Menschen schrien, kamen aus der Wolke gelaufen, fielen hin, andere liefen oder fielen über sie. Dann tauchten aus der Rauchwolke ca. 10-15 vermummte Personen auf, die schnurstracks wegliefen. Innerhalb von Minuten wimmelte es von Polizei mit Schlagstöcken und Maschinenpistolen.

Was genau passiert war wissen wir nicht. Wir wussten nur eins – so schnell wie möglich weg von hier. Zum Glück waren wir auf der anderen Straßenseite. Die „RSS“ wurde kurzerhand abgeschüttelt und es ging direkt ins Hotel. Ein bis dato schöner Abend fand ein jehes Ende.
Tag 3 – nach Krakau mit Umweg über Spala

Wir trafen uns zum Frühstück. Die Ereignisse des gestrigen Abends hatten ihre Spuren hinterlassen. Wir entschieden, davon nichts im Blog zu schreiben, damit wir unsere Lieben daheim nicht beunruhigen.

Zu unserer Überraschung sagte man uns beim Check-Out, daß wir für die Motorräder keine Parkgebühren zahlen müssen, was uns sehr freute. Danke an das IBIS-Hotel Lodz an dieser Stelle!

Also, auf zu nächsten Etappe. An der nächsten Tanke haben wir nochmals kurz gestoppt, der Reifendruck musste überprüft werden. Leider war es beim gestrigen Auftanken nicht möglich, da die Luftfüllanlage defekt war.

Da fällt mir ein, ich habe ja noch gar nichts zu den Aussetzern der EMI gesagt, welche uns die letzten beiden Tage auf Trab hielten. Nun gut, ganz kurz: Die EMI hatte das Problem, dass sie nicht mehr anzutreten war, wenn sie heiß ist. Jürgen und Hardi kamen bei einer der zahlreichen Pausen auf die Idee, die heiße Zündkerze abzukühlen. Wie? Ganz einfach. Heiße Kerze raus – Tankdeckel auf – Sieb raus – heiße Kerze in Sprit tauchen – Zisch Zisch – Kerze schnell einbauen – Antreten – 4 Versuche im Durchschnitt – rattertatterteng. Mittlerweile waren die beiden ein eingespieltes Team. Mir war nie wohl bei der Sache… . Aber es half und manchmal zählt nur das Ergebnis.

Doch zurück zur Tour. Wir ließen Lodz schnell hinter uns. Am Himmel zeigten sich die ersten größeren Wolkenzusammenrottungen. Aufgrund des Ausflugs nach Spala zum Oldtimertreffen wichen wir von der ursprünglich geplanten Route ab. Wir kamen gut voran. Dann, in Tomaszow Mazowiecki, habe ich mich doch verfahren. Aufgrund einer neuen Umgehungsstraße und Autobahnzubringer, welche noch nicht in der Karte verzeichnet waren, hatte ich kurzzeitig die Orientierung verloren. Für ganze 200m. Ich hätte am Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nehmen sollen und nicht die erste. Doch der Fehler war schnell bemerkt. Ein Wendeplatz befand sich direkt vor meiner Nase. Wir wollten schnell drehen und zurück, doch daraus wurde nichts. Eine Gruppe älterer deutscher Radfahrer hatte uns aufgebracht. Sie kamen direkt aus Wolgograd und befanden sich auf einer Fernradtour. Wir staunten nicht schlecht! Ein kleines Gespräch, Gruppenfoto, Kerzenkühlung bei Hardi und weiter gings.

2013-06-09 10-13-28
In Spala erwartete uns alles mögliche, nur kein Oldtimertreffen wie wir es kannten. Es herrschte Volksfeststimmung, zahlreiche Buden waren aufgebaut, Karussells und ein riesiger Trödelmarkt. Und Menschenmassen… . Natürlich standen wir dank Hartmut gleich im Mittelpunkt und es gesellten sich diverse Biker zu uns. Auch eine originale ES 250/2. Wir führten intensive Benzingespräche und waren erstaunt, wie viele mit uns deutsch redeten.
2013-06-09_11-18-54

2013-06-09_11-18-59

2013-06-09_11-19-57

2013-06-09_11-21-34
2013-06-09_11-23-53

2013-06-09_11-31-00

2013-06-09_11-56-17

2013-06-09_11-56-26

Christian vergnügte sich derweil auf dem Teilemarkt (und wurde fündig). Margrit und ihr Ehemann grüßten und die Zeit verging wie im Fluge. Dabei hatten wir noch nicht mal ansatzweise ein viertel der Tagesetappe geschafft. Es wurde Zeit, die Weiterfahrt anzutreten. Zudem verdichteten sich die Wolken am Himmel.

So starteten wir am frühen Nachmittag. Heute standen fast ausnahmslos richtige polnische Landstraßen auf dem Programm. Bald würde auch Jürgen wissen, wie sie sich fahrtechnisch anfühlen und beherrschen lassen. Kurz hinter Spala kamen wir in einen kleinen aber feinen Landregen rein. Wir fuhren weiter und wurden belohnt. Doch lange währte unser Glück nicht und wir mussten halten und die Regenkombis überschmeißen.

Doch es kam noch schlimmer.

Am Himmel zeigten sich diverse dunkle Gewitterwolkengebiete. Anfangs frohlockte ich noch, daß der Straßenverlauf uns immer genau zwischen zwei von ihnen druchführte. Doch es kam was kommen musste. Drei oder vier Gewitter ereilten uns. Teilweise war es so schlimm, daß wir nur 40 km/h fahren konnten. Die Blitze waren furchtbar hell und der Donner hörte sich intensiver als gewohnt an. Nunja, es wurde bergiger, d.h. wir kamen höher und die Wolken hingen dementsprechend tiefer. Am schlimmsten hat es uns hinter Opoczno getroffen. Wir mussten halten. Das Wasser stand fast knöcheltief auf der Straße. Unsere Stimmung sank zusehends. Sollte das so weitergehen? Ich erinnerte mich an Hardis Worte, er sagte einmal: ´nach jedem Regen scheint auch wieder die Sonne…´. Und so motivierte ich mich und trotze dem Regen und Gewitter so wie meine Mitstreiter auch.

Irgendwann hörte der Regen auf und Klärchen zeigte sich von ihrer schönsten Seite. In einem kleinen Dorf hielten wir direkt neben einer Kolchose, die mich an eine alte LPG erinnerte. Es dauerte gar nicht lange und wir hörten etwas viertaktiges knattern. Nur was? Circa 100 m weiter bog von einem Grundstück sowas wie ein Chopper auf die Straße. Nur, er war irgendwie zu klein geraten. Der polnische Kettenbruder lenkte sein Gefährt direkt zu uns, drehte vor unseren Augen eine kleine Ehrenrunde und parkte dann vorschriftsmäßig am Straßenrand. Dann präsentierte er uns stolz sein Gefährt. Leider waren die sprachlichen Barrieren doch sehr hoch, so konnten wir ihm nur entlocken, dass es sich um einen Eigenbau handelte.
2013-06-09_13-14-28

2013-06-09_13-14-46

2013-06-09_13-25-40

2013-06-09_13-25-46

Nach kurzer Pause ging es weiter. Am Ortseingang von Lopuszno kamen wir direkt auf eine Beerdigung zu. Der Sarg war vor dem Friedhofseingang aufgebahrt und die Trauergemeinde verabschiedete sich von dem Verstorbenen. Wir drosselten unsere Geschwindigkeit stark und erwiesen mit leicht gesenktem Kopf unseren Respekt. Dies wurde dankend aufgenommen.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Hinweis:

Die polnische Bevölkerung ist streng gläubig. Solltet ihr mal in eine solche Situation kommen, verhaltet Euch bitte ähnlich. Dies wird wohlwollend gewertet. Es kann auch sein, daß ihr mal auf eine Prozession stoßt (Umzug, bspw. zu Feiertagen wie Fronleichnam). Dann haltet bitte unbedingt an und laßt die Prozession vorbeiziehen. Auch wenn es ein paar Minuten länger dauert.

Eine Baustelle im gleichen Ort jagte mir einen gehörigen Schrecken ein. Laut Beschilderung war unsere Straße/Piste gesperrt, wir sollten einer Umleitung folgen. Ich entschied, aus welchen Gründen auch immer, durch die Baustelle zu fahren und dann zu entscheiden. Keine Angst, an der Baustelle befand sich sowas wie eine Baustellenampel, wir fuhren erst, als sie grün war und wurden belohnt. Die vermeintlich gesperrte Straße erwies sich als hervorragend instandgesetzte Asphaltpiste, auf der wir so 30 km fast allein unterwegs waren. Sie war komplett fertig, es fehlte halt nur noch die Ortsdurchfahrt, wo wir eben an der Ampel gestanden haben.

In Jedrzejow verließen wir die typisch polnischen Landstraßen. Jürgen freute es besonders. Konnten doch seine Unterarme eine weitere kleine Erholungsphase gebrauchen. Vor der Schnellstraße hielten wir an einer (Orlen)Tanke, um die Vorräte zu ergänzen. Allem Anschein nach war dies wohl die älteste Tankstelle Polens. Komplett vergitterte Fenster, der Kassierer saß wie in einer Zelle. Etwas unwirklich kam mir das vor. Sollten wir wirklich schon soweit südöstlich am Rande der Zivilisation sein? Nein, natürlich nicht. Es war halt nur eine alte Tankstelle aus früher Zeit, mit schönen Rasenflächen, auf denen sich Hartmut mal wieder zu einem kleinen Schläfchen niederließ.

2013-06-09 15-15-13

Nach kurzer Erholung ging es weiter, bis Krakau waren noch um die 70 km abzuspulen. Gegessen hatten wir noch nichts. Wir enstschieden, bei der nächtsen Grillbar eine Rast einzulegen. Doch weit sind wir nicht gekommen. Nach 200 m verschwand das Gespann aus meinem Rückspiegel. Also umdrehen und zurück. Was war passiert? Die TS von Jürgen ist plötzlich ausgegangen. Er hatte schon den Zündfunken geprüft. Nix da. Meine erste Vermutung: Kabel vom Unterbrecher ab. Bevor es dem Seitendeckel an den Kragen ging, schnell die Prüflampe an Klemme 1 und Masse, durchtreten – Lampe blieb an. Meine Vermutung schien sich zu bestätigen. Und Tatsache. Der Kabelschuh war abgerutscht. Mit der Zange wurde er aktiviert, raufgeschoben und gut. Die Limakohlen habe ich bei der Gelegenheit auch gleich kontrolliert. Alles freigängig. Eine Feder imponierte etwas schlaff, aber Jürgen hatte noch keine Aussetzer festgestellt. Also fix weiter. (Nur zwei Tage später sollte sich dies bereits rächen… .)

Nach 30 km dann die ersehnte Grillbar. Mein typisches Essen (wie jeden Tag): Jurek und Schaschwik. Ein älteres deutsches Ehepaar aus dem Rheinland leistete uns Gesellschaft, während Hardi es sich auf dem Rasen gemütlich machte… . Sie erzählten, daß sie aus Warschau kommen und dort viele Straßen überflutet waren. (Später am Abend sahen wir es dann in den polnischen Nachrichten.) Bisher hatten wir vom Hochwasser noch nichts mitbekommen.
2013-06-09_16-13-59

2013-06-09_17-06-58

2013-06-09_17-07-07

Auf zur letzten Etappe! Es fuhr sich traumhaft. Bergauf und bergab. Wir merkten, daß wir den Karpaten immer näher kamen. Die Strecke war richtig schön und entschädigte für die durchmachten Wetterstrapazen. Wir waren uns ganz sicher, noch schlimmeres Wetter kann es nicht geben, noch schlimmer kann es nicht kommen.

Dachten wir… .

Nach dem gefühlten 20sten Berg lag plötzlich Krakau im Tal vor uns. Wer Neubrandenburg kennt, kennt diesen Blick, wenn man über die B 104 aus Weitin kommend nach Neubrandenburg fährt. Traumhaft. Wären, ja wären da nicht diese dicken schwarzen Wolke und die Blitze. Na gut, es ist wie es ist, soweit wir trocken kommen, fahren wir. Es dauerte nicht lang und der gewohnte Regen setzte ein. Schnell eine Tankstelle gesucht. Abwarten hieß die Devise. Steffen organisierte umgehend Kaffee für uns und kam mit dem Tankstellenbetreiber ins Gespräch. Was solls, dachten wir uns, es regnet eh wie aus Eimern. Warten müssen wir so oder so. Ein Hotel hatten wir nicht vorgebucht, wir wollten vor Ort uns was suchen.

Plötzlich kam Steffen freudestrahlend aus der Tankstelle heraus. Wir hatten uns schon gewundert, was er so lange da drin macht. Nun kommt der Hammer: Die Tochter des Tankstellenbetreibers führt ein Hotel, was für uns noch Zimmer frei hat. Direkt in der City, zu einem mehr als akzeptablen Preis. Wir sagten zu, er buchte die Zimmer, erklärte uns den Weg und als wir soweit waren, hörte der Regen auf. Steffen aktualisierte den Blog und zum Abschied schenkten wir dem Tankstellenbetreiber noch eines unserer Tourshirts als Dank für seine Mühen.

Das Hotel „Delta“ Krakau war schnell gefunden, man erwartete uns schon. Fix die Motorräder abgestellt und eingepackt und ab aufs Zimmer duschen. Entgegen anders lautender Mutmaßungen musste Jürgen nicht unter der Plane bei seiner Maschine schlafen.

2013-06-09 19-16-53

Auch er hatte ein Bett abbekommen. Die Damen an der Rezeption waren sehr nett und organisierten uns ein Großraumtaxi in die Altstadt. Gut, die 15 Minuten hätten wir auch laufen können, aber wir wollten nicht. Auf dem Marktplatz angekommen trauten wir unseren Augen nicht. Solch eine schöne Stadt hatte ich zumindest noch nie gesehen. Wir waren beeindruckt. Zu Recht verdient Krakau den Beinamen „Heimliche Hauptstadt von Polen“. Unsere Stimmung war wie ausgewechselt. Der Regen hatte sich komplett verzogen, die Sonne schien, wenngleich die Dämmerung einsetzte. Wir saßen gemütlich in einem Straßencafe und entspannten. Natürlich durften polnische Gerichte und Flüssigkeiten dabei nicht fehlen. Das Leben kann so schön sein!

Zu späterer Stund entstand dann auch das Bild von Jürgen mit der zukünftigen Schwiegertochter. Sein Vater Bernhard hatte Geburtstag und Steffen machte unterwegs (ich glaube bei der letzten Grillbar) den Vorschlag, daß wir ein Foto von Jürgen mit einer Blume in der Hand machen und dieses als Geburtstagsgruß im Blog veröffentlichen. Just wo wir hier im Straßencafe saßen, erinnerten wir uns prompt daran, als eine Blumenverkäuferin uns Rosen anbot. Ich weiß nicht wer dann auf die Idee gekommen ist, ein Foto samt Verkäuferin zu machen, und dieses dann „als zukünftige Schwiegertochter“ zu annoncieren. Schließlich sollte es ja einen Grund geben, warum Jürgen mit Gespann gefahren ist.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß diese Idee (soweit ich mich noch erinnern kann) auf meinem Mist gewachsen ist. Tschuldigung. Aber wenn Männer so viele Tage allein unter sich sind, entwickeln sich so gewisse Eigendynamiken, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Kurzum, es ist wie es ist. Eine Kutschfahrt unternahmen wir dann auch noch und kehrten am Ende der Tour im Hardrock-Cafe Krakau ein. Dann ging es zu Fuß durch eine laue Sommernacht ins Hotel zurück.

Ein traumhafter Tag neigte sich dem Ende, der uns gefühlsmäßig an eine Achterbahnfahrt erinnerte. Der Ausklang fand in der Hotellobby bei Obstler statt. Das Ende habe ich nicht mehr erlebt. Ich glaub, Wodka war auch noch im Spiel, aber ich hatte ein dringendes Schlafbedürfnis und zog mein Bett vor.
2013-06-09_20-59-36

2013-06-09_21-06-40

2013-06-09_21-54-53

2013-06-09_21-54-59
2013-06-09_22-25-44

2013-06-09_22-37-31

2013-06-09_22-37-43

2013-06-09_22-55-39

Eins habe ich noch vergessen, unser Steffen hatte sich angeboten, unsere durchschwitzen und dementsprechend männlich riechenden Shirts durchzuwaschen. Wir haben sein Angebot dankend angenommen und unsere Hotelscheiben von außen mit den zu trocknenden Shirts dekoriert. Dies geschah noch vor dem Ausflug in die City.

Tag 4 – nach Gleiwitz über Auschwitz, Kattowitz

Die Nacht war kurz, für die ganz harten „Lobbyherren“ besonders kurz. Ich weiß nicht mehr genau, wie spät es war, vermutlich gegen 7 Uhr, als meine Nachtruhe ein jähes Ende fand. Macht doch nicht ein Krankenwagen direkt unter unseren Hotelfenstern seine Sirene an !?!. Wir waren im ersten Stock untergebracht…mehr muß ich nicht erwähnen. Christian und Steffen schien das nicht zu stören.

Die Morgentoilette wurde ausgiebig zelebriert. Wir hatten heute nur um die 90 Tourkilometer geplant. Nach dem leckeren Frühstück war ein kleiner Pitstop angesetzt. Frohen Mutes machten wir uns auf den Weg nach Auschwitz. Vorher wollten wir noch unbedingt ein Foto von uns und unseren Maschinen auf dem Marktplatz machen. Wir sind hingefahren und hatten uns schon schön trappiert, als ein Mann ganz aufgeregt zu uns kam, mit dem Finger auf zwei Biker aus der Ukraine zeigte und uns verständlich machte, daß sie soeben einen Strafzettel bekommen haben. Unerlaubtes Abstellen von Fahrzeugen auf dem Marktplatz. Nagut, dann eben nicht. Machen wir halt ein Foto vom Rand des Marktplatzes.

2013-06-10 10-58-52

Nach dem kurzen Fotohalt ging es zum Schloß von Krakau.
2013-06-10_11-02-06

2013-06-10_11-02-16

2013-06-10_11-10-07

2013-06-10_11-10-19

Nachdem auch dieses Shooting erledigt war, kämpften wir uns durch den morgendlichen Verkehr. 20 Minuten Streß und wir waren endlich auf der Landstraße 780, getreu dem Motto: Entlang der Weichsel nach Auschwitz. Die Landschaft war idyllisch, das Wetter spielte mit, und nach der Hälfte der Strecke kam eine kleine Shelltanke (hinter Czulowek), die wir zielgerichtet ansteuerten. Unsere Maschinen waren durstig, genau wie wir.

2013-06-10 12-34-27

Wir frohlockten und freuten uns über das schöne Wetter. Worte wie: „Schlimmer als gestern kann es nicht mehr kommen. Wir haben schon alles durchgemacht, so schnell kann uns nichts mehr erschüttern.“ erklangen fast eintönig.

Keiner von uns ahnte auch nur ansatzweise, daß wir in vier Stunden ganz anders reden würden und zwei Dämpfer zu verarbeiten hätten. Der erste sollte schon nach 15 km unserer Weiterfahrt kommen.

Die Pause war schnell vorbei. Jürgen und Hardi zelebrierten den „aktiven Warmstart“ der EMI und los gings. Das Wetter hielt sich, der Wind nahm leicht zu. Nach knapp 15 km erreichten wir den kleinen Ort Wygielzow. Ein typisches kleines Dörfchen. Die Straße war leicht abschüssig. Dann war ein Kreisverkehr ausgeschildert. An sich nichts besonderes. Er war halt klein, eng und in der abschüssigen Straße gelegen. Ich bin langsam eingefahren, die Sonne schien direkt von vorn. Plötzlich rutschte mein Hinterrad leicht weg, abgefangen, Grip war wieder da, schnell die linke Hand gehoben, eine Ölspur!. Dann hörte ich schon dieses entsetzliche Knallen und Knirschen, was mir aus meiner Jugend noch bekannt war. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich drehte mich kurz um und sah, wie Christian hinter Hardi im Kreisverkehr gestürzt war und samt Maschine rutschte. Steffen konnte gerade noch so ausweichen, ohne über ihn zu fahren. Dieses Bild werde ich so schnell nicht vergessen. Mein erster Gedanke war, zum Glück sind wir fast Schrittempo gefahren.

2013-06-10 13-54-52

Ich habe sofort angehalten, Hardi hinter mir ebenso. Die Gedanken, die mir jetzt durch den Kopf schossen wie Hauptsache Christian ist nichts passiert, ist das Motorrad stark beschädigt, ist es das Ende der Tour, wir müssen andere warnen, Unfallstelle absichern, Polizei rufen, Feuerwehr, Krankenwagen, wer hat das Öl verloren und und und. Das alles geschah in Millisekunden, während ich im Dauerlauf zur Unfallstelle lief.

Dort angekommen, war die Maschine bereits wieder aufgerichtet und Christian stand auf den Beinen. Ich habe ihn mir angesehen, etwas blaß um die Nase und unter Schock. Kurz die Knochen geprüft, alles beweglich. Keine offene Wunde. Schmerzen hat er noch nicht gespürt. Dann ein Blick auf die riesige Ölspur. Sie war durch den schrägen Kreisverkehr und das Gegenlicht nicht zu sehen. Wir hatten keine Chance, es hätte uns alle treffen können. Erstmal hinsetzen und sacken lassen. Besonders Christian. Dann Unfallstelle sichern und andere warnen.

Natürlich blieb der Unfall nicht ungesehen. Ein polnischer MZ-Fahrer kam (woher auch immer) und bot seine Hilfe an. Für einen kurzen Moment erinnerte ich mich an den Spruch „Fahrer helfen Fahrern“ aus unserm geliebten „MZ-Forum.com“. Ich unterhielt mich mit ihm auf polnisch und bat ihn, die Feuerwehr zu rufen, um die Ölspur zu beseitigen. Er tat das umgehend. Wir wollten definitiv warten, bis die Feuerwehr eintrifft. Jürgen sicherte die Ölspur und warnte andere Verkehrsteilnehmer, während wir anderen einen Schadensbegutachtung vornahmen. Zum Glück nur Blechschäden und ein verbogener Fußrastenhalter. Dieser wurde fix abmontiert, in einen Gullideckel gesteckt und notdürftig gerichtet. Christian bekam derweil leichte Schmerzen. Eine Schmerztablette (wie sie Steffen in seiner Reiseapotheke hatte), schlug er aus. Er machte mittlerweile wieder einen sehr gefassten Eindruck und erinnerte sich an frühere „Begebenheiten“. Von weitem hörten wir irgendwann die Sirene der Feuerwehr. Vor Ort stutzte der Brandmeister ein wenig beim Blick auf die Ölspur. Wir wussten nicht so recht, wie wir das werten sollten. Es kam uns so vor, als ob das was „normales“ war, und er nicht mit seinen Kameraden hätte ausrücken wollen/müssen. Nichtsdestotrotz wurde die Ölspur behandelt. Sie war zwischenzeitlich schon merklich stumpfer geworden.

Nachdem wir uns von dem Schreck ein wenig erholt hatten, gab Christian das Okay zur Weiterfahrt. Jetzt waren wir uns ganz sicher, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Das wir in 3 Stunden anders reden würden, ahnte von uns noch keiner.

Bis Auschwitz verlief die Fahrt ruhig. Nur an jedem Kreisverkehr dieses komische Gefühl in der Magengegend. Über Auschwitz an sich möchte ich nicht viel schreiben. Es ist ein Stück unserer Geschichte. Wir haben uns im Schatten einer Baumgruppe ausgeruht und sind mit polnischen Schulklassen ins Gespräch gekommen. Hardi hatte wie immer ein dringendes Schlafbedürfnis und aufgrund der bisherigen Ereignisse, ich auch. Also legte ich mich zu ihm.

2013-06-10 15-16-12
2013-06-10_14-37-40

2013-06-10_14-38-15

2013-06-10_14-47-44

2013-06-10_14-51-31
2013-06-10_14-54-59

2013-06-10_14-56-35

2013-06-10_14-57-20

2013-06-10_14-58-18

Bis Kattowitz war es nur noch ein Katzensprung. Ein Blick kurzer Blick zum Himmel, hm ja, ein paar größere Wolkenzusammenrottungen, nichts ernstes. Und los ging es. Der Verkehr wurde merklich dichter. Die Fahrerei stressiger. Ich kann mich kurz vor Kattowitz an eine Begebenheit erinnern, die für Jürgen knapp wurde. Wer von Euch die polnischen Straßen kennt, weis, das rechts immer ein sehr breiter Standstreifen/Ausweichstreifen ist. Diesen nutzten wir ausgiebig, damit der nachfolgende Verkehr besser überholen kann. So auch heute auf der Fahrt. Ab und zu hört dieser Streifen auf, immer an Stellen mit einem Fußgängerüberweg. So auch heute. Als besonderes Schmankerl ist zusätzlich mittig zwischen den Fahrstreifen eine Verkehrsinsel. So auch heute. Ich signalisierte den Wechsel in den Hauptfahrstreifen. Das klappte bis dato immer wunderbar. Man ordnet sich im Reißverschlußverfahren wieder in den Fahrstreifen ein. Nur nicht heute. Wenn der Platz nicht reicht, weil sich ein 40-Tonner Sattelzug beim Überholen verschätzt hat, wird es eng mit dem Platz. Jürgen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Es war verdammt knapp.

Der Verkehr nahm immer mehr zu und zu allem Überdruß verschwand die Sonne hinter dicken Wolken. Man sah deutlich, dass es hier ordentlich geregnet haben musste. Teilweise stand besonders in Unterführungen noch richtig viel Wasser. In Mikolow dann plötzlich ein ca. 1 km langer Stau vor einer Ampel. Zum Glück gab es einen unbefestigten Randstreifen, so dass auch Jürgen mit seinem Gespann am Stau vorbeischleichen konnte. Das ging nochmal gut. Nur der Himmel gefiel mir nicht. Die Wolken verdichteten sich minütlich, der Wind nahm zu. Am Ortseingang von Tuchy drehte ich mich kurz zu Christian um und fragte (eher signalisierte), ob wir weiterfahren oder anhalten sollten.

Ich war mir nicht sicher, die Wolken waren vor uns und der Wind kam uns auch entgegen. Etwas untypisch für ein Gewitter. Christian signalisierte „Weiterfahrt“. Nach ein-zwei weiteren Kilometern wurde mir die ganze Sache unheimlich. Beim Blick über die Häuser traute ich meinen Augen nicht. Die Wolken waren kohlrabenschwarz und hingen verdammt tief. So tief, daß sie bei einem zweistöckigen Haus mit Spitzdach das Dach umhüllten.

Das gespenstische war, sie drehten (!) sich dabei.

Ich drehte mich nochmals um, Steffen winkte in Richtung einer Tankstelle, die ca. 200 m vor uns war. Die folgenden Ereignisse überschlugen sich förmlich. Wir hatten die Tankstelle erreicht und hatten uns einen Kaffee und HotDog geholt, das Gewitter wollten wir geschützt abwarten. Ich hatte beides in der Hand und verließ gerade den Tankstellenshop, als plötzlich ein mörderisch lautes „Prasseln“ losging. Erst vereinzelt, dann immer schneller und intensiver. Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, was das war. Dann sah ich die dicken Eisbrocken, die vom Himmel fielen. Nein sie fielen nicht, sie wehten. Innerhalb von Sekunden frischte der Wind derart auf, daß die Hagelkörner durch die Tankstelle von vorn nach hinten durchgejagt wurden. Steffen und ich setzen uns instinktiv die Helme auf. Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Ich kauerte mich hinter einen Stahlpfeiler und hörte nur die Einschläge. So etwas surreal anmutendes hatte ich noch nicht erlebt.

2013-06-10 16-40-56

Dazu gesellten sich abwechselnd Blitz und Donner. Mehr unbewusst bekam ich mit, wie ein Auto nach dem anderen Schutz unter dem Tankstellendach suchte. Doch es half nichts. Die ersten Autoscheiben gingen kaputt, Heckscheiben, Seitenscheiben. Irgendwann tauchte in dem Chaos Hardi aus dem Shop auf. Auch er schaute etwas verdutzt. Steffen reagierte sofort, schnappte sich Hardis Helm und rannte zu ihm. Doch bevor er ihm ihn aufsetzen konnte, hatte ein Hagelkorn bereits Hartmut am Kopf erwischt. Es wurde immer dunkler, der Sturm tobte, der Donner krachte. Blitze habe ich nicht mehr wahrgenommen. Die Tankstelle war hoffnungslos überfüllt. Direkt neben uns kam es zu einem Auffahrunfall. Der restliche Verkehr kam vollends zum Erliegen. Die Hagelkörner durchschlugen das Dach der Tankstelle. Auch die Leuchtreklame und Preisanzeige wurden nicht verschont. Irgendwer versuchte verzweifelt seine kaputte Heckscheibe mit einer Decke abzudecken. Vergebene Liebesmüh, eher lebensgefährlich. Wir versuchten noch zu helfen. Keine Chance. Die Einschläge auf unseren Helmen merkten wir nicht wirklich, dafür aber das Zwiebeln durch unsere Kombis durch. Uns blieb nur eine Wahl, abwarten.

Wie lange der Spuck gedauert hat, ich weis es nicht mehr ganz genau. Ich schätze so um die zehn Minuten. So schnell wie das Unwetter gekommen war, so schnell verzog es sich auch wieder. Doch was wir dann zu Gesicht bekamen, übertraf alles bisher dagewesene. Überall lag eine Schicht aus Hagelkörner. Ampeln hatte es zerschlagen. Straßenlampen hat es vom Mast geholt. Diverse Autoscheiben sind zu Bruch gegangen. Eine nahe Gärtnerei konnte man nur noch am Stahlskelett der Gewächshäuser erkennen. Die Bäume wirkten wie entlaubt, lauter Zweige und Blätter lagen unten. Das Tankstellendach sah aus wie ein Schweizer Käse. Die Karosserien der Autos aus wie Golfbälle an ihrer Oberfläche. Zum Glück hatten unsere Maschinen keine ernsten Schäden, nur hier und da ein paar Minibeulen (dem dicken Blech sei Dank). Die Straße hinter der Tankstelle war ein riesiger See. Autofahrer, die die Situation unterschätzten und durchfuhren, wurden eines besseren belehrt. Das Wasser war mehr als Knietief.
2013-06-10_16-41-05

2013-06-10_16-44-58

2013-06-10_16-45-00

2013-06-10_16-45-07
2013-06-10_16-45-43

2013-06-10_16-45-46

2013-06-10_16-55-44

2013-06-10_17-10-41

Auf diesen Schreck mussten wir erstmal durchatmen. An Weiterfahrt war nicht zu denken. Erst mussten die Hagelkörner halbwegs wegtauen. Die nächste halbe Stunde verbrachten wir mit „sacken lassen“. Wir fühlten uns wie in einem schlechten Film. Zu unserer Überraschung hatten selbst die Polen vor Ort sowas noch nicht erlebt.

Ich griff mir die Karte und entschied, definitiv weiterzufahren. Nur raus aus dem „Kessel von Kattowitz“. Bis Gleiwitz sind es noch knapp 20 km. Das müssen wir schaffen. Gesagt – getan. Es ging los. Wir sind vorsichtig weitergefahren. Nach vielleicht 5 km war von dem Unwetter nichts mehr zu sehen. Nur ein leichter Sprühregen. Die Gewitter-Hagel-Zelle war nur örtlich begrenzt.

In Gleiwitz angekommen erspähte ich ein 3-Sterne Hotel „Qubus“. Ich fuhr vor und erkundigte mich nach einer Übernachtung mit Frühstück für 5 Personen. Und ich hatte Glück. Sie hatten noch ein Appartement für einen sehr günstigen Kurs. Jedenfalls verstand ich das mit meinen polnischen und englischen Achtelkenntnissen. Im Nachhinein stellte sich raus, es gab sehr wohl Appartements, aber da passten nur 2 Erwachsene rein und ich hatte drei davon gebucht. Egal. Christian bekam das Einzel-Appartement. Er hatte es nach dem heutigen Tag am nötigsten.

2013-06-10 18-53-58

In den Zimmern angekommen, wusste ich auch, warum der Preis doch etwas üppig war. Was soll ich sagen: Gefühlte 80 qm, Ledercouch, Ledersessel, Computer mit Spielen, riesiger Flachbildfernseher und das Beste: eine Badewanne samt Whirlpool. Dreimal dürft ihr raten, was meine erste Amtshandlung war – genau. Ab in den Whirlpool. Und der tat verdammt gut. Jürgen tat es mir gleich. Das haben wir jetzt gebraucht.

Bevor wir gemeinsam zu Abend gegessen haben, in einem leckeren Steakhouse gleich um die Ecke wo es selbstgemachte Knoblauchbutter gab, trafen wir uns auf unserem Zimmer und genehmigten uns einen Schluck vom Obstler. Oder war es doch Wodka?

Irgendwann zu späterer Stund haben wir es uns auf dem Betonsockel einer Reklametafel gemütlich gemacht und „Reste“ vertilgt. Die Zigarre durfte natürlich nicht fehlen. Wir hatten eine Menge Eindrücke des Tages zu verdauen.
2013-06-10_18-48-59

2013-06-10_21-37-26

2013-06-10_22-26-35

2013-06-10_22-26-50
2013-06-10_22-58-36

2013-06-10_23-09-00

2013-06-10_23-09-10

2013-06-10_23-12-20

Tag 5 – über Zellin nach Oppeln

Wir haben etwas länger geschlafen als üblich. Die Erlebnisse der letzten Tage steckten uns noch in den Knochen. Keiner von uns dachte an diesem Morgen, daß uns das größte Abenteuer unserer Reise noch bevorstehen würde. Keiner hat es auch nur ansatzweise geahnt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir einhellig der Meinung, daß man nicht mehr erleben kann. Doch wie schon ein altes Sprichwort sagt: „Noch ist nicht aller Tage Abend.“

Nach dem Frühstück hab ich mich über die Karte hergemacht. Ursprünglich hatten wir ja vor, bis Breslau zu fahren, doch da wir noch einen Tag Reserve hatten, hab ich ein bißchen in der Umgebung von Oppeln nach einer Unterkunft geforscht. Dabei bin ich auf ein Hotel an einem Waldsee gestoßen. Es ist kein Hotel im herkömmlichen Sinn, sondern eher eine Ranch mit einem Haufen Abenteuer wie Quadfahren, Paintball, Angeln, Boot fahren etc.

Kurz die Jungs gefragt, was sie von einem kleinen Verschnauftag mit Freizeitgestaltung halten. Alle hatten Lust. Also schnell Christian an die Karte geholt (ich glaube hier wurde er zum Anwärter auf den Platz zum Vizeguide gekürt) und die Route besprochen. Dann ging es los. Die Routenpunkte waren der Sender Gleiwitz, dann Krapkowitz, von dort nach Zellin und über Moschen nach Oppeln.

Doch vorher wollten wir noch einen Motorradladen anfahren. Gestern im Laufe der Fahrt fing bei ihm die Ladekontrolleuchte an zu glimmen und in der Batterie fehlte etwas destilliertes Wasser. An der Rezeption hatten sie uns einen MC-Service ganz in der Nähe genannt. Doch weit sind wir nicht gekommen. Schon nach wenigen hundert Metern in der Stadt standen wir im Stau. Es kam was kommen musste, die EMI gab den Geist auf. Zum Glück war wieder eine Tankstelle in Sichtweite.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß es seit dem frühen Morgen in Strömen regnete? Nein? Dann tue ich es jetzt. Entschuldigt bitte mein Versäumnis, aber wir hatten uns schon so an den Regen gewöhnt, daß er für uns zur Normalität wurde.

Wie gesagt, bis zur Tankstelle hieß es für Hartmut schieben. Dort kam dann nach intensiver Prüfung der erste Shock des Tages: In der Batterie fehlte zwar Wasser, aber das Hauptproblem war die Lichtmaschine. Auf dem Rotor hatten sich zwei Spulenenden am Schleifring gelöst und waren ausgebrochen. Die Kohlebürsten waren frakturiert. Die Ursache dafür war ein defektes Kugellager, wo der Lagerkäfig gebrochen war.
2013-06-11_11-39-16

2013-06-11_11-39-37

2013-06-11_11-57-20

Zum Glück hatte Hardi eine Ersatzlichtmaschine mit. Schnell gewechselt und gut. Bei der Verkabelung musste ich etwas improvisieren, was aber gut gelang, nachdem Hardi aus einem nahegelegenen polnischen Elektrogroßhandel noch ein paar Lüsterklemmen „organisiert“ hatte. Wie er das geschafft hat, bleibt uns bis heute ein Rätsel.

Der Stop im MC-Service hatte sich somit erledigt. Wir machten auf der Stelle kehrt und fuhren direkt zum Sendemast. Ein imposantes Holzbauwerk, was bis zum heutigen Tag in Betrieb ist. Kurzer Fotostop und weiter.

2013-06-11 12-59-29

Es hatte sich richtig schön eingeregnet. Wie aus Gießkannen. Der Regen verfolgte uns die nächsten 60 km bis Krapkowitz. Kurz vor dem Ortseingangsschild hörte er aprupt auf und die Sonne schien, als wäre nichts gewesen. Wir atmeten auf, hatten wir den Kessel von Kattowitz endlich hinter uns gelassen? Ja, es schien so und sollte auch so bleiben.

Wir fuhren direkt nach Zellin um unser Versprechen, was wir Mariechen gegeben hatten, einzulösen. Ihr Geburtshaus haben wir auf Anhieb gefunden. Es wurde zwischenzeitlich umgebaut und um eine Etage erhöht.

In dem benachbarten Sklep (Dorfkonsum) kamen wir gleich mit den Einheimischen ins Gespräch. Sie konnten alle gutes deutsch. Ich machte mich dann auf den Weg zu einer Dorfrunde um ein paar Eindrücke einzufangen. Als ich zum Sklep zurückkehrte, stand nur Jürgen als „Last MC Scout“ bei den Maschinen. Was ist denn jetzt schon wieder passiert, war mein erster Gedanke.
2013-06-11_15-42-58

2013-06-11_15-43-04

2013-06-11_15-48-13

2013-06-11_15-58-32

Nichts schlimmes. In der Zwischenzeit kam ein älterer Herr mit seinem Fahrrad angefahren. Er fuhr direkt zwischen unsere Motorräder. Steffen und Christian schauten etwas verdutzt. Der Herr stieg ab und begrüßte die beiden mit den Worten: „Wie gehts?“. Das Eis war auf Anhieb gebrochen. Ein paar Minuten später folgten die beiden ihm zu seinem Haus.
2013-06-11_16-29-47

2013-06-11_16-51-04

2013-06-11_16-59-13

2013-06-11_16-59-17

Es dauerte gar nicht lange, da kamen sie auch schon aufgeregt und winkend auf uns zu. Wir sollten unbedingt alle zu Josef nach Hause kommen. Seine Frau macht Kaffee und erwartet uns.

Gesagt – getan. Auf zu Josef. Dort angekommen, erwartete uns seine Frau schon mit frischem Krümelkaffee. Sie heißt übrigens Maria. Dann stellten die beiden fest, dass sie gar keine Kekse im Haus hatten. Josef ließ es sich nicht nehmen und wollte unbedingt zum Sklep und welche holen. Er sagte, so gehört sich das für einen guten Gastgeber. Wir konnten ihn nicht vom Gegenteil überzeugen, ihn jedoch wenigstens dazu überreden, mit Jürgen im Gespann dorthin zu fahren.

Alles in allem haben wir zusammen mit Josef und Maria einen herrlichen Nachmittag verlebt. Josef ist in Zellin geboren und aufgewachsen. Er kannte alle Bewohner. Auch die Angehörigen Mariechen. Das I-Tüpfelchen war natürlich noch die Liebe zu Oldtimermotorrädern, die uns alle verband. Denn auch Josef und sein Sohn waren Bastlerfreaks. Eine Junak M10 in vollendeter Restauration zog unsere Blicke auf sich. Christian der verrückte Hund hat sie tatsächlich noch angetreten. Nein, so ein Nachmittag. Es passte alles. Es sollte alles so sein, wie es ist.

2013-06-11 16-22-17

Irgendwann nahte die Stunde des Abschieds. Bis zum Hotel waren es nur noch um die 40 km, doch wir wollten auf Josefs Rat hin noch einen Fotostop beim Schloß Moschen machen. Also hieß es Pferde satteln und los. Jedoch nicht bevor noch ein anständiges Abschiedsfoto gemacht wurde.

2013-06-11 17-40-51

In Moschen kamen wir leider nicht direkt ans Schloß ran. Für die Erinnerungen reichte jedoch auch ein Schnappschuß aus der Ferne.

Bis Oppeln verlief die Fahrt bei herrlichem Wetter ohne nennenswerte Zwischenfälle. Irgendwo auf halber Strecke musste bei Hardi nochmal eine Kerze nach alter Manier getauscht werden. In Oppeln steuerte ich mal wieder eine Orlen-Tankstelle an. Unsere Maschinen waren durstig. Schnell tanken und weiter. Weiter? Nein. EMI streikte. Und zwar mit Nachdruck.

Sie rührte sich nicht.
2013-06-11_17-56-02

2013-06-11_18-26-59

2013-06-11_18-31-53

2013-06-11_18-32-04

Die Uhr tickte, es war kurz nach halb acht. Ich hatte schon von Zellin aus im Hotel angerufen und Bescheid gesagt, dass es später wird. Eigentlich war Anreise bis um 18 Uhr. Bis 20 Uhr sei es aber auch kein Problem, wurde mir versichert. Ich musste eine Entscheidung treffen, damit, egal was passiert, die Hotelzimmer sicher sind.

Also entschloss ich mich, Christian und Steffen allein vorzuschicken. Es verstieß zwar gegen die Gruppenregel des Zusammenbleibens, aber diese besondere Situation erforderte halt in meinen Augen diese Entscheidung. Sie wurde auch widerwillig aufgenommen, aber von allen akzeptiert. Christian und Steffen machten sich also auf den Weg. Jürgen, Hardi und ich trainierten weiter mit der EMI. Irgendwann sagte ich voller Frust, jetzt tauschen wir mal den Kerzenstecker. Von der TS zu EMI. Und plötzlich kam das erlösende Taaaaktaaktaktakkkkkk. Sollte das der Fehler gewesen sein??? Schnell nochmal die Gegenprobe bei dem Gespann – Tatsache. Der Kerzenstecker war gehimmelt. Also den Ersatzstecker aus der Tasche und in die TS eingebaut. Jetzt lief die TS wieder wie ein Sack Nüsse, so wie eben mit demdefekten Kerzenstecker von Hardi. Sollte etwa auch dieser niegelnagelneue Kerzenstecker auch einen weg haben? Ja. Hat er. In unserer Not puhlte ich die Metallkappe ab und siehe da, die TS sprang an. Das hatten wir drei noch nicht erlebt. Zwei Kerzenstecker auf einmal. Egal, schnell aufsitzen und los statt sich den Kopf zu zerbechen.

Die grüne Welle war uns hold. Doch plötzlich fiel Jürgen mit seinem Gespann zurück. Dann war das Licht an seinem Moped aus und er holte wieder auf. Die Uhr war gegen dreiviertel neun. Draußen wurde es merklich dunkler. Egal, wir mussten anhalten. So konnten wir nicht weiterfahren. Hinter einem Kreisverkehr am Ortsausgang von Oppeln hielten wir an. Taschenlampen raus und Diagnostik betreiben. Der Fehler war schnell gefunden. Eine Feder der Kohlebürsten hatte sich verabschiedet. (Erinnert ihr Euch? Vor zwei Tagen….vor Krakau). Zur Sicherheit habe ich beide samt Halter gewechselt. Ich telefonierte kurz mit Christian. Sie waren gut im Hotel angekommen. Wir sollten ganz ruhig machen, man hebt uns was zu essen auf. Noch 20 km trennten uns von einem schönen Essen und einem warmen Bett. Es ging endlich weiter, auf unserer letzten Etappe des Tages. Unserer wirklich letzten?

Wir verließen die Hauptstraße und fuhren über eine schnuckelige kleine Landstraße. Nebelschwaden bahnten sich den Weg über die Wiesen und erreichten nach und nach die Straße. Wir mussten unsere Geschwindigkeit drosseln. Zu wenig Sicht. Es mutete ein wenig gespenstisch aber trotzdem unheimlich schön an. Doch lange währte der Frieden nicht. Es war gegen 22 Uhr, als ich irgendein undefinierbares Geräusch hinter mir hörte. Ich drehte mich kurz um und sah Hartmut signalisieren, daß irgendwas mit EMI ist. Ein paar hundert Meter weiter sah es nach einem Dorf aus. Wir fuhren langsam weiter, ich wollte ja nicht mitten im dunkeln in der Pampa auf der Landstraße reparieren. Wir hatten Glück. Bei den Häusern gab es sogar eine Straßenlaterne, die hell leuchtete. Sie stand zwar hinter einer scharfen Rechtskurve, doch ich hatte ja die kleine Rundumleuchte mit, die Jürgen als Warnleuchte vor der Kurve platzierte, nicht jedoch bevor sie vorher auf Hartmuts Kopf ein „Probeblinken“ abgeben durfte.

2013-06-11 21-50-13

Das Rasseln hörte sich furchtbar an und kam direkt aus der Lichtmaschine der EMI. Mein erster Gedanke – Lagerschaden. Ich telefonierte zuerst mit Christian und Steffen, damit sie Bescheid wussten wo wir waren. Knapp 6 km vor unserem Hotel. Ich hatte gerade aufgelegt und wir wollten einen Schlachtplan machen. Auch der Gedanke des Abschleppens kam uns in den Sinn, als wir plötzlich ein langsames Blubbern wahrnahmen, was näher kam. Neben uns hielt dann eine schön herausgeputzte Harley. Der Fahrer stieg ab und fragte, „Hallo Kollege, Problem?“ Wir antworteten im Chor „Tak“.

Ab da an überschlugen sich die Ereignisse und wir lernten Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit auf eine nie zuvor dagewesene Art und Weise kennen, die uns fast zu Tränen gerührt hat. Der Harleyfahrer stellte sich als Leschek vor und bot uns an, die EMI in seine 4km entfernte Werkstatt zu bringen. Er hat noch zwei Freunde (einen Mechaniker und einen Elektriker) die er informieren will, daß sie zum Reparatureinsatz kommen sollen. Und er rief sie umgehend an. „Kollege, kein Problem.“ Zeitgleich klingelte mein Telefon. Christian war dran. Er und Steffen hatten in der Zwischenzeit dem Hotelchef Bericht über unsere Panne erstattet. Der widerum hat zwei seiner Jungs aktiviert und mit einem Jeep losgeschickt. Sie wollten die EMI verladen und ins Hotel bringen. Sollte das nicht gelingen, so können wir die EMI bei seinem Freund, der zufällig Inhaber der neben uns gelegenen Gastwirtschaft ist, unterstellen. Er hatte ihn bereits angerufen und darum gebeten. Die Antwort war „Kein Problem, ich räume schnell die Garage aus.“ Als dann die Tür der Gastwirtschaft aufging…ihr könnt Euch es Euch denken. Das war etwas zuviel für den Moment. Christian bat uns, auf die Jungs vom Hotel zu warten. Ich sagte das Leschek. Gut. Erstmal eine Zigarette. Keine 10 Minuten später waren die Jungs da. Schnell war klar, die EMI passt nicht in den Jeep. Jetzt ging das „Gestreite“ los. Jeder wollte helfen. Irgendwie. Ich telefonierte wieder mit Christian, der das Telefon an den Chef weiterreichte. Meine Sprachkenntnisse kamen schnell ans Ende, und ich gab das Telefon Leschek. Es dauerte keine 5 Minuten, dann war der Plan fertig, der wie folgt aussah:

Wir fahren alle zusammen in die Werkstatt von Leschek. Die Jungs vom Hotel nehmen uns dann von dort ins Hotel mit. Essen wird warmgehalten. Wir sollen erst was essen und dann wieder zu Leschek in die Werkstatt fahren. Gesagt getan. Maschinen angetreten und langsam weitergefahren. Es war irgendwie skuril. Der Nebel, der Wald, die Tiere links und rechts der Straße und dazu das Tackern der Motoren im unteren Drehzahlbereich. Ich weiß nicht warum, aber einen kurzen Augenblick dachte ich an „Der Hund von Baskerville“. In der Werkstatt angekommen, erwartete uns bereits der Mechaniker Pjotr.

Fix eine Harley aus der Werkstatt geschoben und ab mit EMI in die gute Stube. Uns war spätestens jetzt klar, die Jungs meinten es ernst mit der Reparatur. „Äh Emm Wäh muß laufen….Kollege nix Problem….Chef sagen ich haben frei….schlafen morgen…erst reparieren, dann schlafen.“ Die Uhr war halb elf nachts als wir im Hotel ankamen. Uns erwartete ein leckeres Abendbrot (ich glaube Bigosch gab es). Die Köchin hatte extra auf uns gewartet. Wir haben schnell gegessen und sind dann zu dritt (Jürgen, Hardi und ich) mit dem Gespann zu Leschek in die Werkstatt gefahren.

Wieder vor Ort war die EMI schon teilzerlegt. Auch hatte sich ein dritter Mechaniker, eigentlich Elektriker namens Pawel, dazugesellt. Er hatte einen etwas längeren Anfahrtsweg. Und der Reparaturmarathon begann.

2013-06-11 23-56-50

Wir hatten kein Zeitgefühl mehr. Auch hatten wir keine Zeit darüber nachzudenken, ob wir müde waren. Das Schadensbild war nicht verheißungsvoll. Kapitaler Lagerschaden der zweite. Es musste ein neues Kugellager angefertigt werden. Leider fehlte es an entsprechenden Kugeln. Ich signalisierte als Idee mit Händen und Füßen „Fahrrad“ – „Aah“ war die Antwort. Pawel und Pjotr verschwanden mit einer Stirnlampe auf dem Dachboden des nahegelegenen Schuppens, um nach 5 Minuten mit einem Fragment von Fahrrad wieder aufzutauchen. Tretlager negativ, Lenkkopflager negativ, vorderes Nabenlager – positiv! Die Kugekn passten.

2013-06-12 00-52-20

Nebenbei waren Jürgen und Hardi dabei, daß Getriebe rauszunehmen. Die Kupplungsscheibe sollte auf Verölung kontrolliert werden. Bei der Gelegenheit wurde auch der Begriff „Katzenpisse“ für verwässertes Getrieböl in den polnischen Sprachgebrauch mit lautem Gelächter überführt. (FOTO ÖL). Irgendwann sagte Leschek von draußen die Worte: „Now its Sunrise“ (jetzt ist Sonnenaufgang). Ich habe ihn mit Fotos dokumentiert.

2013-06-12 04-30-47

Gegen halb sechs waren wir fertig, doch die EMI wollte nicht so recht. Das Ohr von Pjotr hörte, dass sie unrud lief.

Pjotr hatte bis vor 15 Jahren selbst eine BMW R35, die baugleich mit der EMW von Hardi ist. Er stammelte immer wieder zwischendurch, daß wir doch vor 15 Jahren hätten kommen sollen, da hätte er noch alle Ersatzteile gehabt.

Hier ein Auszug an Bildern von der EMW-OP. Weitere Impressionen findet Ihr bei uns in der Galerie.
2013-06-12_00-41-25

2013-06-12_00-41-41

2013-06-12_00-42-17

2013-06-12_01-10-29
2013-06-12_02-06-00

2013-06-12_02-11-19

2013-06-12_02-50-52

2013-06-12_03-14-25

Jedenfalls legte er sich wieder unter die EMI. Nach 15 Minuten war der nächste Fehler gefunden. Der Unterbrecher arbeitet nicht richtig, dass heißt, er verdrehte sich in sich selbst statt mit der Buchse um den Führungsstift. Dadurch ändert sich der Schließwinkel, was zu einer falschen Zündung führt. Pjotr meinte, er hätte noch einen Unterbrecher in seiner 60 km entfernten Wohnung in Brzeg liegen.

Innerhalb von Sekunden war unsere Stimmung wieder eine Etage tiefer gerutscht, die Gevatter „Schlaf“ schamlos ausnutzte. Die Uhr war nach 6 und wir entschieden, erstmal ins Hotel zu fahren. Wir mussten die Zimmer bis 10 Uhr geräumt haben und irgendwie wollten wir noch eine Mütze Schlaf nehmen. Die drei polnischen Jungs hatten uns das schon vor Stunden versucht einzureden, aber wir wollten sie nicht alleine lassen. Entweder keiner wird um den Schlaf gebracht, oder alle. Jetzt jedoch brachen wir drei mit dem Gespann auf Richtung Hotel und waren froh, als um halb sieben die Augen im Bettchen zufielen.Vorher hatten wir uns wieder zum späten Vormittag mit Leschek, Pjotr und Pawel verabredet. Auch über Grillen und zusammensitzen haben wir noch gesprochen.

Tag 6 – nach Breslau

Das Schlafglück währte nicht lange, (ich glaube nicht nur ich hätte Steffen am liebsten….) um halb zehn war Weckzeit. Also, aufs Bein bitte, Katzenwäsche, Frühstück fassen, Sachen packen und zurück zu den Mechanikern. Um halb elf standen wir wieder bei ihnen auf der Matte und staunten nicht schlecht: Die Jungs hatten durchgezogen! EMI lief wie ein Bienchen. Wie sie das gemacht haben – keine Ahnung. Ich weiß wirklich nicht, ob Pjotr noch nach Brzeg gefahren ist und den neuen Unterbrecher geholt hat.

Auch war bereits ein Grill aufgebaut, der sogleich mit Kielbasa (polnische Bratwurst) belegt wurde. Genug Bier und Wodka stand ebenfalls bereit. Mit anderen Worten – zweites Frühstück. Und das alles bei herrlichstem Sonnenschein!

Jürgen und Hartmut drehten erstmal eine ausgiebige Proberunde. Bei der Rückkehr strahlte besonders Hardi wie ein Honigkuchenpferd. EMI schnurrte nur so. Selbst im warmen Zustand keine Startprobleme mehr. Und das alles wegen einem Unterbrecher. Wir haben eine ganze Weile zusammengesessen, gegessen, getrunken und geklönt. Ein paar schöne Momentaufnahmen sind auch entstanden. Zum Abschied wurden wir eingeladen, im nächsten Jahr ein paar Tage bei den Jungs zu verbringen. Sie wollten mit uns mal eine richtige Party machen. Die Einladung haben wir dankend angenommen. Und wir werden sie auch umsetzen.

2013-06-12 09-10-15
2013-06-12_09-15-04

2013-06-12_09-18-21

2013-06-12_09-18-26

Die ganze Zeit plagte uns der Gedanke, wie wir uns erkenntlich zeigen können. Das Geleistete war und ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Und es wurde nichts verlangt. Wir beratschlagten und kamen einhellig zu dem Schluß, dass wir etwas persönliches dalassen wollen. Also schnell „Brainstorming“, was haben wir?

Jürgen brachte seine Gewindefeile ins Spiel, Steffen das Tourshirt und die Tasse, ich meine originale DDR-Prüflampe (Pawel hatte mit einer Batterie und um eine Glühlampe gewickelte Kabel die Elektrik getestet). Also gesagt – getan. Wir haben die drei antreten lassen und ihnen zusammen mit den Geschenken folgende Namen verliehen:

Leschek – Pan Dr. Organisatie (Herr Doktor der Organisation) – Tourtasse, Shirt

Pawel – Pan Dr. Elektrik (Herr Doktor der Elektrik) – Prüflampe

Pjotr – Pan Dr. Mechanik (Herr Doktor der Mechanik) – Gewindefeile

Sie haben sich riesig gefreut und wir hatten ein gutes Gefühl!

2013-06-12 14-03-46
2013-06-12_11-36-16

2013-06-12_11-38-13

2013-06-12_11-43-25

2013-06-12_11-45-15
2013-06-12_12-08-13

2013-06-12_12-29-08

2013-06-12_12-59-06

2013-06-12_13-13-29

Wir verabschiedeten uns von Pawel, denn Leschek und Pjotr wollten uns unbedingt noch ein Stück eskortieren. Ursprünglich wollten wir durch Oppeln nach Breslau, sie schlugen jedoch „Schleichwege“ vor. Und so kam es, dass ein Zug von alten DDR-Motorrädern vorn und hinten von zwei Harleys in die Zange genommen wurde.

Es waren herrlich kleine Straßen, über die wir „gecruist“ sind. So muss es sich auf der legendären „Route 66“ anfühlen, dachte ich des öfteren. Irgendwo zwischendurch trafen wir auf zwei Motorradpolizisten, die ihren Dienst verrichteten. Leschek grüßte, der Gruß wurde mit einem Lächeln beantwortet. Man kennt sich. Hinter Oppeln ein kurzer Stop, jetzt hieß es nochmal Abschied nehmen. Dann ging es für uns alleine weiter. Immer parallel zur Weichsel. Mir persönlich graute, je näher wir Breslau kamen, vor der Fahrt durch die Stadt.

Bei einer kleinen Rast an der Weichsel habe ich mit Christian nochmals die Fahrt durch Breslau zum Hotel besprochen. Und ich war froh, als er den Vorschlag machte, wir können doch nach seinem Navi fahren. Damit war dann Christian der Guide und ich konnte erstmals das Gefühl erleben, wie es sich als Zweiter anfühlt. Ich brauchte mir keine Gedanken machen und genoß es , mich einmal leiten zu lassen.

2013-06-12 17-13-10
2013-06-12_17-22-52

2013-06-12_17-30-57

2013-06-12_17-31-37

2013-06-12_17-31-50

Christian führte uns souverän durch den Feierabendverkehr der Großstadt. Welche Straßen wir gefahren sind – keine Ahnung mehr. Nach dem gefühlten 20sten Abbiegeprozedere gab ich auf, die Route im Kopf mitzuverfolgen. Wir kamen ohne Umwege direkt im Hotel Sleep an. Ich war schwer beeindruckt und beförderte Christian offiziell zum „Vice-Tourguide“. Jürgen hatte derweil auf dem dem Hotel gegenüberliegenden Schrottplatz einen Unimog entdeckt. Er konnte nicht anders und musste hin. Im Hotel wurden wir bereits erwartet. Man begrüßte mich mit Namen und den Worten, dass man sich freut, mich als Gast wiederzusehen. Die Motorräder wurden in altbekannter Weise verpackt, es ging aufs Zimmer. Dann frisch machen, Blog aktualisieren und Taxen in die Innenstadt bestellen. Uns knurrte nicht nur der Magen, auch der Flüssigkeitshaushalt musste aufgefüllt werden.

Die Innenstadt von Breslau erwartete uns mit einer lauen Sommerluft und Massen von jungen Menschen. Wir haben in einem kleinen Imbiss zu Abend gegessen und es uns anschließend in einer Art botanischem Straßencafe´ gemütlich gemacht.

2013-06-12 22-42-21
2013-06-12_23-01-26

2013-06-13_00-01-35

2013-06-13_00-02-00

2013-06-13_00-06-23

Bis, ja bis wir indirekt gebeten wurden, das Lokal zu verlassen. Es war sehr clever, wie man uns mitgeteilt hat, dass der Feierabend eingeläutet ist. Man fing einfach an, um den botanischen Garten einen Bauzaun aufzustellen. Nun denn, ein kleiner Spaziergang zur Weichsel folgte, dann zwei Taxen bestellt und ab ins Hotel. Wir hatten alle eine Menge an Eindrücken zu verarbeiten und der ein oder andere musste noch etwas verlorengegangenen Schlaf der letzten Nacht nachholen.

Tag 7 – nach Kesyza Lesna

Um 8 Uhr war Frühstück. Alle waren pünktlich und munter. Die Sonne schien mit voller Kraft. Ein herrlicher Tag schien uns zu erwarten. Und so haben wir uns ordentlich gestärkt, die Maschinen bepackt und sind frohen Mutes gestartet.

2013-06-13 10-27-53

Flugs hatten wir Breslau hinter uns gelassen und befanden uns auf einer Schnellstraße. Doch was war das? Im Rückspiegel klebte Hartmut an meinem Hinterrad, bei 75 km/h. Das gibts doch gar nicht, ich erhöhte die Geschwindigkeit, 80 km/h, 85km/h. Der ist immer noch an mir dran…also noch mehr Gas geben. Bei 90/95 km/h war dann eine optimale Troßgeschwindigkeit erreicht. Und die EMI lief, so wie sie noch nie gelaufen ist. Der Kilometerzähler rasselte nur so runter. Nach 1 Stunde Fahrzeit waren 80 km geschafft. Wahnsinn!

Ein kleiner Stop an einer Tankstelle folgte. Alle Gesichter strahlten und keiner konnte fassen, was mit der EMI passiert ist. Die polnische GR (Generalüberholung) war wie eine Jungbrunnenkur. Der Fahrspaß stand allen in den Augen. Steffen als ehemaligem Motorcrossfahrer fiel sofort eine Speedway Rennmaschine auf. Ein junger polnischer MC-Fahrer schraubte daran. Ein kurzer Smalltalk folgte, während wir anderen darauf warteten, auf das stille Örtchen zu kommen. Ein duftendes Detail von unserem Vorgänger lasse ich mal aus Anstand unkommentiert.
2013-06-13_11-43-16

2013-06-13_11-51-44a

2013-06-13_12-05-44

2013-06-13_12-06-02

Es ging weiter. Irgendwann verließen wir die Schnellstraße Richtung Wolsztyn. Bei einer kleinen Fotopause machte Steffen dann einen Vorschlag, der uns im Nachhinein zu einem, wenn nicht sogar dem schönsten, Gruppenerlebnis verhalf. Er fragte uns, was wir von einem kleinen Picknick im Grünen, idealerweise an einem See halten. Wir sagten spontan ja.

Bei der nächsten Biedronka oder dem nächsten Sklep wird Halt gemacht und eingekauft. Und so kam es dann auch. Ich wachte bei den Maschinen während die restlichen vier Jungs den Supermarkt eroberten. Sie kamen ordentlich bepackt wieder raus. Auf dem Speiseplan standen ab sofort Weintrauben, Melonen, Zwiebeln, Würste, Schmalzfleisch, Käse, Brot, Brötchen, Butter, Paprika und, nicht zu vergessen, Knoblauch. Als Flüssigbeilage wird Zywiec aus Dosen serviert. Soweit, so gut. Fehlt nur noch ein entsprechendes Örtchen. Unser Vize-Guide Christian zückte sein Handy, startete Google-Maps und wir suchten einen See nahe der Straße, der schnell gefunden war. Pi mal Daumen um die 5 km sind noch zu absolvieren. Also, alles verstauen und los.

Die nächsten Bilder sind an dem besagten Ort entstanden. Wir fühlten uns einfach nur frei und glücklich. Natürlich durfte ein kleines Nickerchen nicht fehlen. Das hat uns allen nach den Strapazen der letzten Tage richtig gut getan. Wir haben es gebraucht. Einfach mal Zeit für uns. Übrigens lässt sich Schmalzfleisch auch mit einem Cuttermesser hervorragend schmieren. Man darf nur nicht zu derb aufdrücken.
2013-06-13_14-18-53

2013-06-13_14-24-47

2013-06-13_14-27-46

2013-06-13_14-28-19
2013-06-13_14-28-25

2013-06-13_14-33-04

2013-06-13_15-20-39

2013-06-13_15-20-53

2013-06-13 15-30-17

Irgendwann ging es weiter. Bis Wolzstyn waren es noch um die 20 km. Dort wollte ich unbedingt das alte Dampflokbahnbetriebswerk besichtigen, was ich eigentlich im letzten Jahr schon vorgehabt hatte. In Wolzstyn fahren als einziger Stadt in ganz Europa bis heute Dampflokomotiven im Planzugeinsatz vor Personen- und Güterzügen.
2013-06-13_16-17-53

2013-06-13_16-25-02

2013-06-13_16-27-28

2013-06-13_16-28-58

Ein kurzer Fotohalt folgte demnach. Dann hieß es auf zur letzten Etappe über Swiebodzyn nach Keszyca Lesna. Es lief wie am Schnürchen. Keine Ausfälle, nichts.

In Swiebodzyn noch ein kurzer Halt, ein Zigarettchen, Tankstop bei unserer „Heimat-Orlen“ dann „Heimspiel“ auf altbekannten Straßen. Im Hotel „Keszyca Lesna“ angekommen, freute man sich uns wiederzusehen. Auch zwei Zimmer waren für uns noch da. Man entschuldigte sich, dass diese leider nur unterm Dach sind. Kein Problem. Zum Abendessen gab es dann traditionsgemäß Jurek und Schaschwik, sowie Piwo sokiem. Und morgen, am Tag 8 unserer Reise, wollten wir einfach mal ein ruhigen machen. Ausspannen, Bunkerbesichtigung und eine Stipvisite in Swiebodzyn standen auf der Tagesordnung.

2013-06-13 21-52-30

Tag 8 – Bunkerbesichtigung und Abstecher nach Swiebodzyn

Wir haben einmal etwas länger ausgeschlafen, das tat verdammt gut. Dementsprechend war die Laune beim Frühstück. Herrlicher Sonnenschein, nicht zu warm und nicht zu kalt. Ganz nach unserem Belieben. Während des Frühstücks noch schnell den Tagesablauf besprochen. EMI sollte im Stall bleiben, Hardi schwingt sich bei Jürgen in den Beiwagen. Von dort sollte er Fotos von unterwegs und uns machen. (Wie sich später herausstellte, eine geniale Idee. So hatten wir uns noch nicht auf unseren Maschinen fahren sehen.) Zuerst zum Bunker nach Pniewi. Wir hatten uns im vergangenen Jahr hier bereits umgeschaut und für besuchenswert erachtet. Dann nach Siwedodzyn, zur Statue. Vorher noch im Zentrum einen Happen essen. Anschließend zurück zum Hotel und ab an den See zum Strand. Soweit, so gut. Doch es sollte mal wieder ganz anders kommen.
2013-06-14_10-59-55

2013-06-14_11-00-09

2013-06-14_11-00-14

2013-06-14_11-09-42

Nach dem Frühstück ging es sofort los.

An der Bunkeranlage stießen wir auf eine Dreiergruppe von älteren Motorradfahrern. Wir haben uns kurz mit ihnen unterhalten und spontan eine Gruppenführung gebucht. Als besonderes Schmankerl kamen wir so in den Genuß eines deutschsprachigen Führers, der umgehend telefonisch angefordert wurde. 10 Minuten brauchte er, also Zeit für ein Schwätzchen und eine Zigarette.

2013-06-14 11-30-37

Sodann ging es auch gleich in die Unterwelten des Ostwall. Ein Teil von uns kannte diese bereits aus dem letzten Jahr, für alle anderen war es Neuland oder besser gesagt, Neu-Untertageland. Was mich hier im Gegensatz zum vergangenen Jahr besonders beeindruckt hat, war die gut erhaltene technische Ausstattung. Als wir nach mehr als 2 Stunden wieder Tageslicht erblickten, kamen wir an einer völlig anderen Stelle (als der Einstieg) heraus. Wir waren geschafft und uns graute vor dem Fußmarsch zurück. Doch zum Glück brauchten wir nicht laufen, den ein alter SIL-Mannschaftswagen erwartete uns bereits. Die Fahrt in die Basis war eine Riesengaudi. Steffen durfte mal wieder vorne sitzen, weich und bequem. Wir anderen haben es uns hinten auf den Eisenplatten gemütlich gemacht.
2013-06-14_11-30-46

2013-06-14_12-21-33

2013-06-14_13-00-37

2013-06-14_14-30-41

Bei unseren Maschinen wieder wohlbehalten angekommen, unterhielten wir uns noch mit unserem Führer. Er bot uns eine private Tour an, 4 Stunden, 6 Stunden oder 8 Stunden. Ganz nach Belieben. Wir einigten uns auf 4 Stunden. Der Preis war schnell ausgemacht. Treffpunkt: 18 Uhr vor dem Hotel. Also wurde nichts aus dem Badeausflug. Jetzt mussten wir uns sputen, wir wollten ja noch zur Statue. Auf was wir uns da eigentlich eingelassen hatten, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand von uns auch nur ansatzweise.

Hardi saß wie Graf „Koks“ im Superelastik, der auch superelastisch mit ihm umging und seinem Namen alle Ehre machte. Im Zentrum von Schwiebus haben wir in einer Pizzeria lecker gegessen. Dann den Fototermin bei der Christusstatue nach Tagesprotokoll abgelegt.

2013-06-14 16-54-54
2013-06-14_16-21-49a

2013-06-14_16-21-34

2013-06-14_16-22-22

2013-06-14_16-57-40

Und schon ging es wieder zurück. Kurz nach halb sechs waren wir wieder im Hotel. Umziehen, durchatmen und warten auf den Bunkerguide.

Ich habe bisher mit Absicht noch nicht den Namen von unserem Bunkerguide erwähnt, da die private Tour doch etwas grenzwertig und für unser Verständnis am Rande der Legalität war.

Punkt 18 Uhr kam er. Jürgen und Christian zogen es vor, mit ihren Maschinen zu fahren. Wir restlichen drei setzen uns bequem in sein Auto. Alle waren wir gespannt, was uns erwartet.

Zuerst fuhren wir ein paar Kilometer zu einer Wehranlage, die eine Verbindungsstraße schützte. Unterwegs zeigte er uns die Überreste von einem Kohlekraftwerk, was für die Elektrizität in den Bunkeranlagen verantwortlich war. Anschließend ging es in einen gesprengten Bunker ganz in der Nähe. Hier sollte das Foto von der überdimensionalen Mutter entstehen. Wir mussten ein Stück durch den Wald laufen. Unser Guide wies uns mehrmals darauf hin, dass wir unbedingt auf den Boden achten müssen, da überall noch die spitzen Armierungen für den Stacheldraht ca. 10 cm aus dem Boden ragen und teilweise nicht zu sehen waren. Sie durchstoßen mit Leichtigkeit die Schuhsohlen und können durch ihre Widerhaken zu schweren Verletzungen führen. Wir fühlten uns wie die Pfadfinder.

2013-06-14 18-40-15

Unser Guide legte ein ordentliches Tempo vor. Nächster Besichtigungspunkt war eine Drehbrücke, die nach und nach wieder funktionstüchtig gemacht wird. Auch solche Bauwerke gehören (wie im vergangenen Jahr die Kipprollbrücke) zu den Verteidigungsanlagen des Ostwall, oder eigentlich richtig ausgedrückt, dem Oder-Warthe-Bogen. Kurze Stipvisite, dann weiter zur „Wehrgruppe Schill“. Ein System mehrerer Bunker, die unterirdisch miteinander verbunden sind.

Zum Abschluß nochmals in einen anderen Bunker. Hier erwies sich der Einstieg als „Mutprobe“. Es hieß, 300m (!) in gebückter Haltung durch einen Abwasserkanal zu krabbeln der ca. 1,10 m hoch und 60 cm breit war. Zudem Wasser bis zu den Knöcheln, Dunkel, eng und muffig. Ich hatte mein Schrittmaß aus der Armeezeit im Kopf, und habe aus den 60 Doppelschritt einfach 300 Doppelschritt auf 100 m gemacht. Gezählt habe ich irgendwas bei 320. Gräslich. Zum Glück hatte ich als Kind genügend Erfahrungen in der Erkundung von Regenwasserkanälen machen dürfen, so daß ich für mich sagen kann, „gewohnte Umgebung“. Andere hatten da ganz andere Sorgen, erst recht, als wir auf der Hälfte des Weges anhalten mussten, weil wir unsere Oberschenkel nicht mehr spürten. Mir war auch klar, das wir diesen Weg wieder zurück nehmen mussten, anderen an dieser Stelle noch nicht.
2013-06-14_20-47-36

2013-06-14_20-47-43

2013-06-14_20-52-08

2013-06-14_22-02-17

Nach einer kleinen Ewigkeit erreichten wir endlich den Bunker. Ab da begann die eigentliche Expedition. Christian fand sogleich einen Geo-Cache, den er öffnete und eine Widmung hinterließ.

Im Bunker kam uns der Aufbau gleich bekannt vor. Nur hier gab es kein Licht. Dafür aber fast vollständig von Graffiti und Vandalismus verschont gebliebene Räume, Anlagen und Beschriftungen. Wir sind ca. 4 (!) km in der Anlage umhergelaufen. Ab und an waren Löcher in den Wänden, aus denen Sand in die Tunnel gerieselt war. Teilweise waren die Gänge zu gut einem Drittel verschüttet. Irgendwann standen wir dann vor einem imposanten, fast 50m hohen Fahrstuhl. Beeindruckend. Wir sind dann zurück zum Hauptgang und dort weiter bis an den Punkt, wo unser Bunkerplan aufhörte. Sollten wir weitergehen? Christian und ich waren uns einig, ja. Wir überrumpelten mehr oder weniger die Gruppe, was mir im Nachhinein betrachtet, Leid tut. Vielleicht lag es daran, daß ich zumindest genau wusste, wo wir uns in dem Labyrinth befanden. Jedenfalls gingen wir beide ab jetzt vorweg.

2013-06-14 21-11-04

Das Wasser im Tunnel stieg langsam an. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo wir nur mit einem Boot hätten weiter gekonnt. Zwischendurch hatten wir schon bemerkt, das an den Wänden Wasserstände bis zu 1m über unseren Köpfen mal gewesen sein müssen. Hier stimmt also etwas mit der Entwässerung nicht. Für mich war logisch, daß bei Regenwetter das Wasser hier ansteigen wird. Ein doch bedrückendes Gefühl.

Aber von Regen war beim Einstieg keine Spur. Und Sturzfluten dürfte es hier nicht geben, aber man weiß ja nie… .

Die Gruppe beschloß umzukehren. Und das taten wir dann auch. Dann kam die Frage, „Wie gehts jetzt raus?“ Und die Antwort vom Führer „So wie reingekommen.“ Einem von uns gefiel das nicht, hatte er doch schon beim Hinweg etwas Beklemmungen, die voll verständlich waren. Ich konsternierte, dass wir soeben Geschichte geschrieben und absolutes Neuland betreten haben.

2013-06-14 21-40-26

Zurück am Einstieg zum Ausstieg über den besagten 300 m langen Kanal hieß es nochmal durchatmen. Der Führer, weitere 3 Mann und ich befanden uns bereits im Tunnel, als der letzte Mann das mit dem Durchatmen wohl doch etwas zu wörtlich genommen hatte, und ordentlich Luft aus einer seiner tiefer gelegenen Öffnung abließ. Nunja, der Luftstrom wehte aus dem Bunker durch den Kanal hinaus und so hatten schließlich alle Mann im Tunnel was davon. Ihr dürft jetzt ruhig lachen, ich hab nur versucht wegzuhecheln. Das Schlimme war, wir konnten nicht weg und mussten mit der Wolke unseres Weges ziehen ähm kriechen.

Dann endlich, ein Licht am Ende des Tunnels. Die Freiheit! Es war dunkel geworden, und wir traten den Heimweg an. Wir entschieden uns, die restlichen 3 km zu Fuß ins Hotel zurückzulegen. Irgendwann kamen wir dann müde an, aber Carolina erwartete uns bereits mit frisch gezapftem Zywiec. Wehmütig tranken wir noch das ein oder andere Bierchen, wohlwissend, dass dies unser letzter Urlaubsabend sein wird. Ein bißchen melancholisch verabschiedeten wir uns dann auf unsere Zimmer mit der Gewissheit im Nacken, dass dies der dritte aber nicht der letzte Urlaub in Polen sein wird. Erste Pläne wurden auch schon ausgesprochen.

Tag 9 – nach Neubrandenburg

Früh aufstehen, wie immer. Ausgiebig frühstücken, ein letzter Blick zu Carolina, die sich wundervoll um uns gekümmert hat. Dann Gepäck verstauen und Aufbruch. Das Wetter war uns hold, nur der Wind nahm etwas zu. Wir wollten bis Küstrin und dort ein letztes gemeinsames Mittagessen einnehmen. Auf der Fahrt ließ ich die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren. So einen emotionale Urlaubsachterbahn hatte ich noch nicht erlebt. Den anderen erging es sicherlich ähnlich.

In Küstrin angekommen, gab es standesgemäß frische Steinpilzsuppe. Mit ganzen Pilzen. Traumhaft lecker! Wir verabschiedeten uns von Christian, den wir alle lieb gewonnen haben.

2013-06-15 10-32-04

Der grobe Plan fürs nächste Jahr wurde auch schon angesprochen:

Mit dem Gepann in die Hohe Tatra. Und zwar Alle, ausnahmslos.

Doch wir vier hatten noch eine Aufgabe zu erledigen, wir wollten noch zu Arno. Versprochen ist versprochen. Ihr erinnert Euch? Genau, am zweiten Tag der Tour, auf dem Weg nach Lodz, auf dem Waldparkplatz.

Die Adresse hatten wir, das Haus war auch schnell gefunden. Kurz geklingelt – keiner da? Hm. Steffen schaute in den Garten. Arno war zu Hause.

2013-06-15 15-22-07

Wir wurden nett empfangen und haben bei einem Glas Wasser über unsere Erlebnisse berichtet. Doch es zog uns nach Hause zu unseren Lieben. Ein letztes Mal hieß es „Pferde satteln“ und los. Hartmut bog unterwegs ab in sein verträumtes Heimatdorf. Jürgen und Steffen eskortierten mich nach Hause, wo uns bereits meine Frau mit leckeren, frischen, selbstgemachten Erdbeertörtchen und Kaffee erwartete. Wir sind angekommen.
Gedanken zum Abschluß

Ich hatte ja bereits am Anfang erwähnt, dass Steffen und ich uns immer Gedanken über den Verlauf und die Eindrücke der Tour machen. Konnte man das Erlebte des vergangenen Jahres toppen? War die erste Tour nicht die Schönste? Wird es immer noch aufregend sein? Wir kennen doch jetzt schon so viel.

Nach der diesjährigen Tour wissen wir, keine Tour ist mit einer anderen vergleichbar. Jede Tour hat ihre Höhen und Tiefen. Wenn man mich heute fragt, wie ich die Schlesientour 2013 empfunden habe so antworte ich, dass sie als die emotionalste Tour in die Geschichtsbücher eingehen könnte.
In diesem Jahr hat sich unser Leitspruch „Wer gibt dem wird gegeben“ einmal für uns erfüllt. Bisher und weiterhin haben wir nur gegeben und werden weiter geben. Jetzt wurde uns einmal gegeben. Danke dafür. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man Hilfe in einer ausweglos scheinenden Situation erfährt.

Unser Leitspruch stammt, nebenbei gesagt, von meinem Nachbarn aus Kinderzeiten. Selbstlose Hilfe, er hat sie gelebt und lebt sie heute noch. Lieber Uwe, wir können Deine Erfahrungen jetzt teilen! Du hast Recht behalten.

Für das nächste Jahr haben wir in groben Zügen mittlerweile schon desöfteren über die Gespanntour geredet. Sie nimmt langsam Form an. Bei dem Ein oder Anderen muss noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Euch liebe Leser, danke ich für die Aufmerksamkeit und die Lebenszeit, die ihr für uns aufgebracht habt, sei es durch das Lesen des Blogs oder des Reiseberichtes. Ihr seid somit ein Teil unseres Abenteuers geworden und wir ein Teil Eures Lebens. Danke, das wir teilhaben durften.

An meine Weggefährten: Es war schön mit Euch, Danke. Und immer daran denken, „Nach der Tour ist vor der Tour.“

Grüße in die weite Welt – Euer Roman